Zinseszinsen. Kreditrating. Budgetierung. Dies sind nur einige wenige Finanzthemen, die die meisten nicht verstehen. Warum? Aufgrund einer fehlenden finanziellen Allgemeinbildung haben weltweit viele Menschen Probleme zu verstehen, warum ihre Kreditkartenzinsen so hoch sind und sie sich ihren angestrebten Lifestyle nicht leisten können.

finanzieller Allgemeinbildung

Es gibt keine einzige Instanz, die für diesen Mangel, der weltweit zu beobachten ist, verantwortlich ist. Es liegt an jedem – Eltern, Schule und Regierung –, das Problem anzugehen und der nächsten Generation zu vermitteln, wie sie ihre Finanzen ordentlich verwalten. Und für Erwachsene könnte eine Weiterbildung im Finanzbereich der Weg sein, um aus einer scheinbar unüberwindbaren Verschuldung herauszukommen und die Finanzen wieder überschauen zu können.

Was versteht man unter finanzieller Allgemeinbildung?

Finanzielle Allgemeinbildung ist die Vermittlung von Finanzthemen bei Kindern und Erwachsenen mit dem Ziel, ihnen die notwendigen Finanzkenntnisse bereitzustellen. Diese angestrebte Finanzkompetenz ermöglicht es Menschen, informierter zu sein und bessere Entscheidungen im Hinblick auf Finanzen zu treffen.

Zur finanziellen Allgemeinbildung gehören unter anderem folgende Kernprinzipien:

  • Sparen: sicherstellen, dass Sparen für die Zukunft an erster Stelle steht
  • Budgetierung: lernen, wie man ein Budget festlegt und einhält
  • Investieren: die Vorteile von Investitionen im Laufe der Zeit, einschließlich Zinseszins
  • Kredit und Verschuldung: was es wirklich bedeutet, verschuldet zu sein, und wie man mit Krediten klug umgeht
  • Finanzielle Sicherheit: sichere Aufbewahrung persönlicher und finanzieller Informationen

Finanzielle Allgemeinbildung ist nicht nur auf Grundschüler begrenzt. Auch Erwachsene brauchen entsprechendes Wissen, um für große finanzielle Entscheidungen besser vorbereitet zu sein – sei es der Kauf eines Hauses, die Finanzierung eines Autos oder das Sparen für den Ruhestand.

Es ist erwiesen, dass Personen mit einer größeren finanziellen Allgemeinbildung eher besser auf den Umgang mit finanzieller Unsicherheit vorbereitet sind und eine größere Chance haben, ihr Leben wunschgemäß zu gestalten.

Ein globales Problem

Finanzkompetenz ist ein bekanntes Problem weltweit. Um die Level der Finanzkompetenz zu bestimmen, wurden Menschen weltweit eine Reihe von einfachen Fragen zum Thema Finanzen gestellt. Jene, die den Großteil der Fragen nicht beantworten konnten, wurden als finanzielle Analphabeten eingestuft. Wie sind die Ergebnisse?

Finanzkompetenz

Die skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen und Schweden stehen an der Spitze der globalen Liste für Finanzkompetenz, wobei 71 % der Bevölkerung über Finanzkenntnisse verfügt. Andere Länder in Europa liegen weit darunter. Länder wie Rumänien (22 %), Portugal (26 %) und Italien (37 %) bleiben alle deutlich zurück bei diesen Themen. Die finanzielle Alphabetisierungsrate ist in Osteuropa generell niedrig, wobei kein Land östlich von Ungarn mit einer Rate von mehr als 50 % abgeschnitten hat.

In Regionen wie Afrika und Südamerika, in denen die Allgemeinbildung bereits gering ist, gilt Gleiches im Hinblick auf die Finanzkompetenz. Doch selbst in einem Land wie den Vereinigten Staaten, in dem man meinen könnte, dass alle kompetent in Sachen Finanzen sind, verfügen nur 57 % über entsprechende Kenntnisse, eine ähnliche Quote wie in Irland (55 %).

Was kann unternommen werden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Qualität der finanziellen Ausbildung zu verbessern und im Gegenzug das finanzielle Wohlergehen von Menschen weltweit zu fördern. Es ist jedoch die Zustimmung vieler verschiedener Akteure notwendig, um das Bewusstsein für dieses Problem weltweit zu schärfen.

Regierung

Finanzkompetenz steht nun im Vordergrund der Überlegungen von Politikern weltweit. Einige Forscher meinen: „Politiker sehen die finanzielle Bildung als notwendiges Gegengewicht für die wachsende Komplexität finanzieller Entscheidungen von Konsumenten in den letzten Jahren“.

In Regierungsprogrammen, die speziell für die einkommensschwache Wählerschaft konzipiert sind, stehen Spargewohnheiten und Kenntnisse zu Krediten im Mittelpunkt. Forscher empfehlen auch Änderungen der Politik, um sicherzustellen, dass die Finanzausbildung an erster Stelle steht.

Die EU gibt regelmäßig Financial Education for all (Finanzielle Bildung für alle) heraus, eine Anleitung für finanzielle Bildungsstrategien und bewährte Vorgehensweisen für die Unterstützung von Pädagogen und Eltern gleichermaßen. Aber die Finanzausbildung in der EU wird unterschiedlich gehandhabt. Einige Länder führen ihre ersten Finanzkompetenz-Programme durch, andere aktualisieren bereits in Kraft getretene Richtlinien.

Nichtregierungsorganisationen

Neben Regierungen spielen auch Organisationen eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Finanzausbildung. Junior Achievement arbeitet mit Schulen und Lehrern zusammen, um eine bessere Finanzausbildung weltweit zu ermöglichen.

Ein Konsortium von Versicherungsvereinen in Europa, Insurance Europe, hat eine Publikation zum Thema Finanzausbildung im digitalen Zeitalter. Initiativen der europäischen Versicherungsbranche herausgegeben, in der eine Reihe von Initiativen zur Steigerung der Finanzkompetenz und der Kenntnisse zu Versicherungen bereitgestellt werden.

Weiterhin gibt es die europäische Plattform für Finanzausbildung, die von einer Gruppe von neun Finanzorganisationen in der Region gestartet wurde. Mit dieser Plattform soll jungen Menschen eine qualitativ hochwertige Finanzausbildung ermöglicht werden mit dem Ziel der Stärkung der Finanzkompetenz. Dem Projekt zufolge dient die Plattform „dem Austausch von Ideen, Informationen, Einblicken und Erfahrungen sowie der Diskussionen darüber, wie die Europäische Union eine führende Rolle bei der Förderung der Finanzkompetenz spielen kann.“

Schulen

Eine Untersuchung macht deutlich: Schüler, die in der Schule Unterricht zum Thema Finanzen erhalten, sind besser darauf vorbereitet, in der Zukunft finanzielle Entscheidungen zu treffen. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde hat der EU empfohlen, der Finanzausbildung in der Schule Vorrang zu geben, und konnte feststellen, dass Schüler von einer besseren Ausbildung beim Lernen im schulischen Umfeld berichten:

Finanzausbildung

Einige nationale Schulbehörden haben, entweder selbst oder über externe unabhängige Unternehmen, Studien durchgeführt, um die Wirksamkeit von Initiativen zur finanziellen Ausbildung zu bewerten. Dies ist der Fall für einige Finanzausbildungsprogramme in Schulen, wobei Schüler vor und nach der Teilnahme am Programm getestet wurden, um den Fortschritt zu prüfen. Die Ergebnisse waren insgesamt positiv.

In den USA ist die Finanzausbildung mittlerweile verpflichtend. Einige Bundesstaaten in den USA haben Richtlinien verabschiedet, nach denen Schüler einen Finanzausbildungskurs absolvieren müssen, um einen Abschluss an der High School zu erlangen. North Carolina ist der 20. Staat, in dem die Finanzausbildung für High School-Schüler obligatorisch ist. Wenn das Thema Finanzen zum wesentlichen Bestandteil des Lehrplans gehört, wird sichergestellt, dass jeder Schüler ein Mindestmaß an Finanzausbildung erhält. New Jersey ging noch einen Schritt weiter und nahm den Unterricht zu diesem Thema bereits in die Lehrpläne der Mittelstufe auf.

Familien

Neben der Regierung und den Schulen sind auch die Eltern dafür verantwortlich, ihren Kinder entsprechendes Wissen zu vermitteln. Ihre Kinder sind nie zu jung, um mehr über Finanzen zu erfahren – je eher, desto besser.

Wenn man mit ihnen bespricht, warum man Geld spart oder was man sich mit Taschengeld kaufen kann, können die Kinder angemessen über Geldangelegenheiten nachdenken. Gewohnheiten wie bewusster Konsum und Sparen, die in jungen Jahren angelegt werden, können für das Leben prägend sein.

Das wird besonders ersichtlich, wenn Kinder langsam groß werden. Viele junge Erwachsene berichten, dass ihre Eltern nie über Geld oder Finanzthemen gesprochen haben und sie sich selbst bei diesem Thema überlassen haben.

Die Art des Unterrichts ist entscheidend

Finanzthemen in Schulen und in der Familie einzuführen ist ein guter Start. Wichtig aber ist, wie diese Themen unterrichtet werden. Leider ist eine Reihe von Programmen zur Wissensvermittlung nicht besonders wirksam.

Laut Bill Hensley, Präsident und CEO der National Endowment for Financial Education in den USA, muss die Finanzausbildung konsolidiert werden, damit sie effektiver wird:

„Der Großteil der sogenannten Finanzausbildung ist in Wirklichkeit nur die Weitergabe finanzieller Informationen. Obwohl es ein Grundbaustein ist, ändert es an sich nicht das Verhalten. Unser Bereich muss klar zum Ausdruck bringen, dass Finanzinformationen, Ausbildung, Wohlergehen, Alphabetisierung und Fähigkeiten zusammen in einem Ökosystem existieren, aber die Begriffe bedeuten nicht alle dasselbe. Das Wissen und das Selbstbewusstsein der Schüler werden gestärkt, wenn die Themen regelmäßig im Unterricht besprochen werden. Dies führt zu einer höheren Zufriedenheit und spornt definitiv die Schüler ein, im eigenen Interesse im Rahmen der Situation zu handeln.“

Einige Organisationen sind einen Schritt weitergegangen und haben ihre eigenen Ressourcen und Anleitungen für die Vermittlung von Finanzkenntnissen bereitgestellt. Diese sind ideal für Eltern oder Lehrer geeignet, die Hilfe für den Beginn der Vermittlung dieser Themen benötigen.

Ein lösbares Problem

Es steht außer Frage, dass es sich bei der finanziellen Allgemeinbildung um ein globales Problem handelt. Die Frage ist, wie wir entsprechend handeln. Bildung beginnt zu Hause. Eltern können mit ihren Kindern bereits in jungen Jahren über finanzielle Themen sprechen. Mit der Unterstützung der Regierung und der finanziellen Ausbildung in Schulen könnte sich dieses Thema in den kommenden Generationen ändern.

Mit einer finanziellen Ausbildung erhalten Menschen keineswegs nur nutzloses Wissen. Sie können so finanziell unabhängiger sein und ein besseres Leben insgesamt führen. Es besteht kein Zweifel: Eine höhere Finanzkompetenz wäre für alle besser.

*Wie bei jeder Investition ist Ihr Kapital gefährdet und die Anlagen sind nicht garantiert. Die Rendite beträgt bis zu 6,75 %. Bevor Sie sich für eine Investition entscheiden, lesen Sie bitte unsere Risikoerklärung oder wenden Sie sich gegebenenfalls an einen Finanzberater.