Das Geschäftsmodell war perfekt. Arbeitsplätze für Start-ups und kleine Unternehmen an einigen der begehrtesten Standorte der Welt vermieten und ihnen kostenlose Zusatzleistungen wie Kaffee und Bier bereitstellen, eine soziale Atmosphäre schaffen und den Kunden modernste Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.

WeWork

Es schien, als ob WeWork am Puls der Zeit sei, bis es das nicht mehr war. Das Unternehmen, das als eines der am schnellsten wachsenden Start-ups der Welt galt, muss sich plötzlich händeringend nach Investoren umsehen. Eine Reihe von schlechten Geschäftsentscheidungen und Fragen rund um den CEO des Unternehmens machen WeWork zu einem potenziellen abschreckenden Beispiel in einer Welt, die dazu neigt, Start-up-Unternehmen zu überschätzen.

Das Geschäftsmodell

Sowohl Adam Neumann als auch Miguel McKelvey erkannten, dass die Menschen in einer Welt, in der immer ortsunabhängiger gearbeitet wird, große Arbeitsbereiche benötigen werden. Seit der Jahrhundertwende setzten immer mehr Unternehmen auf flexible Mitarbeiter oder kleine, über die ganze Welt verteilte Teams. Das bedeutete, dass diese Arbeitskräfte keinen typischen Bürostandort hatten, aber auch nicht unbedingt in ihrem örtlichen Café arbeiten wollten.

Auf der Unternehmens-Website heißt es: „Eine Welt errichten, in der Menschen Lebenswerke schaffen können. Make a life, not just a living“. Dieses Bewusstsein wird von der Millenniumsgeneration geteilt. Es ist auch eines, das WeWork dazu veranlasst hatte, Gemeinschaft und eine bessere Ausstattung in ihr Arbeitsumfeld zu bringen.

Das WeWork-Modell ermöglicht es seinen Kunden, Büroflächen auf Monatsbasis zu mieten, was die bisherigen Standards für langfristige Mietverträge untergräbt. Die verschiedenen Mitgliedschaftsoptionen – vom einzelnen „Hot Desk“ bis hin zu privaten Büros und sogar individuellen Anbauten für größere Teams – begeistern eine Vielzahl von Mitarbeitern und Unternehmen auf der ganzen Welt.

Das Unternehmen konnte durch den Kauf oder die langfristige Anmietung von Immobilien in begehrten Städten wie New York und Tel Aviv Geld gutes Geld verdienen, indem diese Immobilien in kleinere Büroflächen, die zur Miete stehen, umgewandelt wurden.

Exponentielles Wachstum

Das Unternehmen erfuhr seit seiner Gründung im Jahr 2010 ein schnelles Wachstum. Bekannte Start-ups wie Reddit, HackHands, Whole Whale und andere ließen ihre Mitarbeiter in den ersten Jahren in WeWork-Büros arbeiten. Auch etablierte Unternehmen wie Microsoft begannen, WeWork in den USA zu nutzen.

Exponentielles Wachstum

Ende 2015 befand sich WeWork in der siebten Finanzierungsrunde mit einem Gesamtvolumen von über 1 Milliarde US-Dollar, was dem Unternehmen eine Bewertung von über 10 Milliarden US-Dollar bescherte. Einst war WeWork das zweitwertvollste private Unternehmen in den Vereinigten Staaten, da es innerhalb von vier Jahren von 52 auf 551 Standorte anwuchs.

Es sicherte sich eine Partnerschaft mit Microsoft, um 300 Mitarbeiter des Unternehmens unterzubringen, und Mastercard, um Probleme für Bürozahlungen zu vermeiden. WeWork sicherte sich mehrere Finanzierungsrunden von privaten Investoren. Nach der von SoftBank geführten Investitionsrunde der Serie H wurde das Unternehmen mit 47 Milliarden US-Dollar bewertet.

Da große Namen das Unternehmen und eine starke Marke, die auf der ganzen Welt vertreten ist, unterstützen, schien es so, als wäre WeWork auf dem Weg an die Spitze.

Der gescheiterte Börsengang und der Sturz

Als das Unternehmen seine Entscheidung für einen Börsengang (IPO) bekannt gab, waren sie gezwungen, ihre Geschäftsbücher freizugeben und der Öffentlichkeit volle Transparenz über ihre Geschäfte zu geben. Leider war das Ergebnis nicht so gut wie erwartet. Obwohl WeWork sein Geschäft in den wenigen Jahren seines Bestehens mehr als verzehnfacht hatte, konnte es keinen Gewinn erzielen. Im Jahr 2018 verlor das Unternehmen 1,6 Milliarden Dollar, während es 1,8 Milliarden Dollar Umsatz einbrachte. Im Jahr zuvor verlor es 900 Millionen Dollar. Sehr dürftige Zahlen für ein Unternehmen, das so hoch bewertet wurde.

Die Investoren glaubten nicht, dass das Unternehmen auf einer soliden Basis stand. Jane Leung, Chief Investment Officer von Scenic Advisement, erklärte: „Je größer Sie werden, desto genauer wird die Situation geprüft, und je größer die Verluste sind, umso empfindlicher reagieren die Investoren“, sagte sie. Als Investoren ihre Bedenken äußerten, versuchte WeWork zu zeigen, dass es seinen Wachstumskurs über alternative Einkommensquellen fortsetzen könne. Gleichzeitig brachte das Neugeschäft noch mehr Aufwendungen mit sich, die das Unternehmen belasteten.

Eines der neuesten Projekte von WeWork, WeGrow, ist beispielsweise eine alternative Schule in New York City. WeGrow ist zu einem hohen Preis erhältlich – bis zu 42.000 US-Dollar pro Jahr – und gab Kindern die Möglichkeit, in einer Vielzahl von alternativen Umgebungen zu lernen. Leider war WeGrow nicht erfolgreich und wird deshalb 2020 geschlossen. Als Hauptgrund für die Schließung nannte das Unternehmen Kostensenkungsmaßnahmen. „Als Teil der Bemühungen des Unternehmens, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, hat WeWork die Familien der WeGrow-Schüler darüber informiert, dass wir WeGrow nach diesem Schuljahr nicht mehr betreiben werden“, sagte WeGrow in einer Erklärung.

Als die Nachricht aufkam, dass CEO Adam Neumann Büroflächen an sein eigenes Unternehmen vermietet und große Beträge fließen, begann WeWork seinen Glanz in der Öffentlichkeit zu verlieren. Schließlich sollte Neumann von seiner Position zurücktreten und das Unternehmen ganz verlassen.

Nachdem die Bewertung mehrfach reduziert wurde, entschied sich WeWork für den Börsengang, der aber auch stetig an Wert verlor. Stattdessen fand das Unternehmen in Softbank, einem japanischen Telekommunikationsunternehmen, einen Retter, indem es SoftBank erlaubte, WeWork mit einem Wert von rund 8 Milliarden US-Dollar zu übernehmen, was deutlich unter seinem Wert von 47 Milliarden US-Dollar lag, mit dem es sich nur wenige Monate zuvor versuchte, an Investoren zu verkaufen. Noch überraschender an dem Deal ist, dass der ehemalige CEO Adam Neumann mit 1,7 Milliarden Dollar aus dem Deal hervorgehen wird, einem der besten Deals für einen Start-up-CEO überhaupt.

Ist das ein Trend?

Das WeWork-Debakel wirft eine beängstigende Frage auf: Ist dies ein systemisches Problem innerhalb der Start-up-Welt oder ein Einzelfall eines einzelnen Unternehmens, das fehlgeschlagen ist?

Auch die Transport-Apps Uber und Lyft gingen an die Börse, während sie Milliardenverluste machten. Uber liegt derzeit bei einer Marktkapitalisierung von 54 Milliarden Dollar und Lyft bei 12 Milliarden Dollar. Trotzdem sind beide Aktienkurse im vergangenen Jahr um mehr als 35% von ihren Höchstständen gefallen. Für den Börsengang Anfang 2019 verkaufte Beyond Meat Aktien zu einem Wert von 1,46 Milliarden US-Dollar, eine etwas große Zahl, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr fast 30 Millionen US-Dollar Verlust gemacht hatte.

Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Fällen, in denen Unternehmen ihr exponentielles Wachstum nutzen konnten, um auch nach Jahren der Verluste erfolgreiche Unternehmen aufzubauen. Amazon ist vielleicht das perfekte Beispiel für ein solches Unternehmen, da es in den ersten sechs Jahren seines Bestehens überhaupt keinen Gewinn erzielt hatte und in den ersten 14 Jahren seines Bestehens genauso viel Gewinn erzielte wie in einem einzigen Quartal Ende 2017. Dies zeigt, dass wachstums- und bewertungsintensive Unternehmen für längere Zeit straucheln können, bevor sie ihre finanzielle Basis finden.

Worauf Sie achten sollten

Vielleicht gibt es keine Möglichkeit, mit Sicherheit zu wissen, ob ein Start-up das nächste Amazon oder es wie WeWork nicht den Erwartungen gerecht wird. Es gibt jedoch ein paar Dinge, auf die Investoren und andere interessierte Parteien bei der Beurteilung solcher Unternehmen achten können.

Startup

Cashflow

Ein Unternehmen ohne genügend liquide Mittel kann seine Rechnungen und Löhne nicht bezahlen und wird letztendlich zugrunde gehen. Dennoch werden die meisten Unternehmen, die noch in den Kinderschuhen stecken, es in der Regel versäumen, schnell genug für ausreichend Cash-Bestände zu sorgen, um die meisten ihrer Ausgaben zu decken. Daher ist die Phase des Unternehmens auch bei der Betrachtung des Cashflows von Bedeutung, und diese Kennzahl sollte für Unternehmen im späteren Verlauf ihres Geschäftszyklus stärker hinterfragt werden.

Gewinn

Dieser Punkt sollte offensichtlich sein. Ein Unternehmen, das kein Geld verdient, kann sich langfristig nicht halten. Doch müssen langjährige Verluste nicht unbedingt das Ende eines Start-ups bedeuten. Erwarten Sie, dass junge Unternehmen Schwierigkeiten haben, Gewinne zu erzielen, aber achten Sie darauf, das Geschäftsmodell des Unternehmens zu berücksichtigen, und planen Sie, diese Verluste in zukünftige Gewinne umzuwandeln.

Gründer

Eines der wichtigsten Dinge, die ein Start-up-Boot zum Sinken bringen können – ähnlich wie in der Geschichte von WeWork – sind Gründer, die nicht im besten Interesse ihres Unternehmens handeln. Ein Gründungsteam, das auf frühere Erfolge bauen kann, ist Gold wert, denn es zeigt seine Fähigkeit, Unternehmen zum finanziellen Erfolg zu führen. Aber auch ein Gründungsteam, dass sich bereits mehrere Fehler eingestehen musste, kann wertvoll sein, da diese Gründer wahrscheinlich viele Lektionen aus ihren früheren Unternehmungen gelernt haben.

Misserfolge überwiegen

Es ist selten, dass ein Unternehmen nach seinem extremen Hype auch noch reibungslos seinen Börsengang durchführt, doch WeWork war kein normales Start-up. Der Gründer nutzte die Stärke des Unternehmens, um sich selbst zu bereichern, und forcierte eine Bewertung mit wenig bis keiner konkreten Rechtfertigung. Nicht alle schnell wachsenden Start-ups werden das gleiche Schicksal erleiden wie WeWork, aber angesichts der Tatsache, dass 90% der Start-ups scheitern, ist es nicht verwunderlich, dass die Erfolge selten zu beobachten sein werden. Dennoch ist es nicht oft der Fall, dass ein Start-up auf so öffentliche Weise scheitert, wie es WeWork im Jahr 2019 passierte.