Ein Überblick über die europäische Wirtschaft

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In Europa gibt es 44 Länder, von denen 11 auch zu den 25 größten Volkswirtschaften weltweit gehören. Was ist der Motor dieser boomenden Volkswirtschaften? Was ist ihnen gemeinsam, und wodurch unterscheiden sie sich? Was ist der Grund, warum Luxemburg, das vermögendste Land Europas, ein Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt verzeichnet, das 30 Mal so hoch ist wie in Moldawien, das ärmste Land Europas? Um das wirtschaftliche Gesamtbild in Europa besser zu verstehen, schlüsseln wir in diesem Beitrag einige wichtige Faktoren auf, die zur finanziellen Lage einiger wichtiger Volkswirtschaften in Europa beitragen.

In Europa sind 11 der größten 25 Unternehmen der Welt ansässig.

Lokale Währung

Der Euro ist in 19 Ländern die offizielle Währung, daher muss in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung der Währung, die weltweit am zweithäufigsten gehandelt wird, betrachtet werden. Trotz der Ende 2021 rapide steigenden Inflation scheint sich die europäische Zentralbank (EZB) gegen Zinserhöhungen in diesem Jahr auszusprechen. Als Reaktion darauf legen Investoren häufig ihr Geld in anderen Währungen an, was den EUR/USD-Kurs auf 1,11 und damit auf den niedrigsten Stand in 18 Monaten sinken ließ. Dank der Gründung der Eurozone im Jahr 1999 haben viele europäische Länder eine einheitliche Währung, den Euro. Nur das Vereinigte Königreich, die Schweiz, Schweden, Norwegen und Dänemark verwenden ihre eigene Währung.

Importe

Nachfolgend sind die häufigsten Importgüter Europas aufgeführt:

  • Computer und elektronische Produkte
  • Fahrzeuge und Lastkraftwagen
  • Rohöl und Erdgas
  • Chemikalien
  • Maschinen und Ausrüstung
  • Pharmazeutische Produkte und Medikamente
  • Elektrogeräte

Deutschland ist mit Abstand der größte Importeur in Europa, gibt jährlich über 1 Billion Euro aus und hat einen Anteil von nahezu 20 % an den Gesamtimporten der EU. 12 % der Einkäufe Deutschlands kommen aus China, was das Land zum wichtigsten Importeur von Waren nach Deutschland macht. Zu den weiteren wichtigen Ländern, die Waren nach Deutschland importieren, gehören die Niederlande, die Vereinigten Staaten, Polen, Frankreich und Italien.

Auch wenn Deutschland fast doppelt so viel importiert wie jedes andere Land in Europa, werden im Vereinigten Königreich, in den Niederlanden und in Frankreich auch Waren im Wert von 500 bis 700 Milliarden Euro pro Jahr importiert. Das Vereinigte Königreich nimmt dabei eine Sonderstellung ein, da das Land zu den größten Goldimporteuren gehört (das Vereinigte Königreich und die Schweiz sind die zwei größten Goldimporteure), wobei das Edelmetall fast 10 % der Importe des Vereinigten Königreichs ausmacht. In diesem Land boomt auch der Fahrzeugeinkauf, was mehr als 7 % aller Importe ausmacht.

Mehrere europäische Länder sind im Hinblick auf Fahrzeuge und Erdöl stark auf Importe angewiesen. In einigen europäischen Ländern wie Estland, Spanien, Italien, Polen, Norwegen und Finnland sind Erdöl und Fahrzeuge die beiden häufigsten Importgüter.

Exporte

Volkswagen lieferte 2020 mehr als 9,3 Millionen Fahrzeuge aus.
Volkswagen lieferte 2020 mehr als 9,3 Millionen Fahrzeuge aus.

Führend bei den europäischen Exporten sind die Bereiche Maschinen und Ausrüstung, pharmazeutische Produkte und Fahrzeuge. Deutschland, der größte Exporteur der EU, ist weltweit führend beim Export von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen. Das Vereinigte Königreich und Spanien gehören zu den zehn wichtigsten Ländern weltweit, die Fahrzeuge exportieren, auch wenn diese Länder eher weniger berühmt im Hinblick auf die Fahrzeugproduktion sind. Zu den wichtigsten 15 Ländern gehören in Europa die Slowakei, Frankreich, Tschechien, Italien und Schweden.

Sowohl das Vereinigte Königreich als auch Deutschland spielen eine Schlüsselrolle im Hinblick auf die europäischen Exporte von Maschinen und Ausrüstung. Auch pharmazeutische Produkte machen einen beträchtlichen Anteil der europäischen Exporte aus. Von den zehn größten Exporteuren von Arzneimitteln weltweit kommen acht aus Europa (Deutschland, die Schweiz, Irland, Belgien, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien, die Niederlande), die der europäischen Wirtschaft Hunderte von Milliarden Euro einbringen.

Wichtigste Branchen

Die überwiegende Mehrheit (ca. 75 %) der europäischen Wirtschaft entfällt auf die Dienstleistungsbranche, gefolgt von der Herstellungsindustrie (ca. 24 %) und der Landwirtschaft (ca. 1,5 %). Die Finanzdienstleistungsbranche ist für Europa maßgeblich und ist hauptsächlich in London, Zürich, Frankfurt am Main und in der Stadt Luxemburg angesiedelt. Auch die Reise- und Tourismusbranche ist in Europa ein starker Sektor. Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und das Vereinigte Königreich gehören zu den zehn beliebtesten Reisezielen weltweit.

Im Hinblick auf die europäischen Exporte in der Fahrzeug-, Maschinen- und Arzneimittelbranche ist die Stärke der europäischen Fertigungsindustrie wenig überraschend. Diese Branche umfasst auch die Herstellung von Kunststoffen, medizinischen Geräten und Chemikalien.

Und obwohl Europa nicht gerade für seine Erdöl- und Erdgasvorkommen bekannt ist, erwirtschaften die Erdöl- und Erdgasunternehmen mehr Umsatz als jede andere Branche. Shell und BP nehmen die zwei Spitzenpositionen ein und erwirtschaften Hunderte von Milliarden Euro jährlich.

Die größten Arbeitgeber

Der National Health Service im Vereinigten Königreich ist mit 1,3 Millionen Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Europa.
Der National Health Service im Vereinigten Königreich ist mit 1,3 Millionen Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Europa.

Der National Health Service (NHS) im Vereinigten Königreich ist ohne Zweifel der größte Arbeitgeber in Europa und beschäftigt sage und schreibe 1,3 Millionen Mitarbeiter.

Deutschland ist die größte Volkswirtschaft in Europa und auch Sitz vieler der größten Arbeitgeber des Kontinents. Volkswagen ist mit mehr als 666.000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber. Zu den weiteren führenden deutschen Arbeitgebern gehören die Deutsche Post AG (ca. 400.000 Mitarbeiter), das Maschinenbau- und Technologieunternehmen Bosch (ca. 395.000 Mitarbeiter) sowie die Supermarktkette Edeka Zentrale (ca. 381.000 Mitarbeiter).

Im Vereinigten Königreich beschäftigt Compass Group, das größte Catering- und Facilitymanagement-Unternehmen weltweit, mehr als 548.000 Arbeitgeber. Das irische IT-und Beratungsunternehmen Accenture konnte ein beträchtliches Wachstum verzeichnen und beschäftigte 2021 mehr als 674.000 Mitarbeiter. Irland als das Land mit der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft in der EU konnte der Pandemie standhalten und einen eindrucksvollen Anstieg des BIP um 6 % verzeichnen.

Wie ist es derzeit um die europäische Wirtschaft bestellt?

Nach einem deutlichen Rückgang des BIP im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie erholte sich die europäische Wirtschaft 2021 rasch mit einer durchschnittlichen nationalen Wachstumsrate von 5 %. Nach einem Jahrzehnt eines kontinuierlichen jährlichen BIP-Wachstums lag das Bruttoinlandsprodukt der EU im Jahr 2020 bei ca. 13,39 Billionen Euro im Vergleich zu 14,06 Billionen Euro im Jahr 2019. Im Jahr 2021 lag das geschätzte BIP für alle europäischen Länder zusammen im Bereich von 15 Billionen Euro, angeführt von der Volkswirtschaft Deutschlands mit 3,75 Billionen Euro. Auch wenn das Vereinigte Königreich Anfang 2020 aus der EU ausgetreten ist, ist das Land mit einem BIP von etwa 2,75 Billionen Euro die zweitgrößte Volkswirtschaft in Europa. Nachdem das BIP Frankreichs 2020 um fast 8 % gesunken war, entwickelte sich die Volkswirtschaft rasch in die andere Richtung und es konnte ein Zuwachs von 7 % verzeichnet werden, der größte Anstieg seit über 50 Jahren.

Was das Wirtschaftswachstum anbelangt, so steht Irland mit einem erwarteten Anstieg von 14,6 % im Jahr 2021 erneut an der Spitze. Länder in Mittel- und Osteuropa, darunter Estland (9 %), Kroatien (8,1 %), Ungarn (7,4 %), Rumänien (7 %) und Slowenien (6,4 %), gehören zu den weiteren Ländern mit einer wachsenden Wirtschaft im Jahr 2021.

Deutschland blieb trotz seines langjährigen Status als größte europäische Volkswirtschaft weit hinter dem EU-Durchschnitt zurück und wuchs im Jahr 2021 nur um 2,7 %. Ein weiteres EU-Schlusslicht im Jahr 2021 war Finnland, dessen Wirtschaftswachstum um 3,5 % kaum besser war als das deutsche.

Zu Beginn 2022 scheint der wirtschaftliche Fokus eher auf der Inflation als auf dem Wirtschaftswachstum zu liegen. Die Inflation in der Eurozone ist im Dezember um 5 % gestiegen, eine enorme Zahl, die vor allem auf den Anstieg der Energiepreise um mehr als 25 % zurückzuführen ist. Die Wirtschaftsprognosen für die EU gehen von einem Anstieg von 4,3 % im Jahr 2022 aus, aber im Hinblick auf die Inflationsprognosen scheinen sich die Experten nicht einig zu sein. Die EZB ist zuversichtlich, dass die Inflation bis Ende dieses Jahres unter 2 % fallen wird, während andere einen Anstieg von 2,7 % vorhersagen.

Um unsere Aufschlüsselung abschließend abzurunden, finden Sie nachfolgend eine Tabelle mit den wichtigsten Fakten über die Volkswirtschaften dieser Länder: