Ganz gleich, wohin man schaut, die Technologie ändert die Finanzwelt. In allen Bereichen, vom Bankwesen bis zum Zahlungsverkehr, gibt es umfassende Änderungen, und sämtliche Vorgänge werden durch innovative neue Lösungen mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz, API, Blockchain und mehr effizient und preisgünstig gestaltet. Diese Innovationen führen zu Verbesserungen in der Finanzbranche, und dies alles dank der Fintech-Revolution. Dies sind die Wege, auf denen die Finanzdienstleistungen bis ins nächste Jahrzehnt und darüber hinaus wachsen.

Finanztechnologie

Der Aufstieg der Challenger-Banken

Für Großbanken ist das Erfolgsrezept seit Jahrzehnten unverändert: die Eröffnung lokaler Filialen, das Angebot grundlegender Bankdienstleistungen und konkurrenzfähiger Tarife sowie die Nutzung von Skaleneffekten bei der Kundengewinnung. Dieses bislang erfolgreiche Modell gilt für viele weltweit als veraltet und ineffizient, wodurch eine neue Art des Bankgeschäfts entstanden ist.

Bei Challenger-Banken handelt es sich um einen neuer Bankentyp, bei denen es keine herkömmlichen lokalen Filialen gibt und die für traditionelle Banken eine extreme Herausforderung darstellen. Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit aufgrund ihrer kostengünstigen (und häufig kostenlosen) Kontooptionen sowie der digitalen Bankdienstleistungen, die für jüngere Verbraucher attraktiv sind.

Es wird erwartet, dass der Challenger-Banken-Markt bis 2026 394 Milliarden USD mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) oder 46,5 % in dieser Zeit überschreiten wird. Challenger-Banken haben bereits einige sehr beachtliche Benchmarks erreicht:

Nicht nur Startups springen in die Arena der Challenger-Banken, auch etablierte Finanzinstitute haben eigene Challenger-Banken gegründet. Bei Bank X handelt es sich um ein neues, bevorstehendes Angebot von Citi, und bei Marcus um ein Novum von Goldman Sachs, beides technologieorientierte Bankdienstleistungen, die die Stärke und die Ressourcen ihrer institutionellen Investoren nutzen.

Die Frage für Challenger-Banken wird schließlich die nach dem Gewinn sein. Vorerst geht es bei diesen Banken darum, bei relativem Stillstand im Finanzmarkt Fuß zu fassen, aber sie werden einen Weg finden müssen, um von ihrem wachsenden Kundenstamm zu profitieren. Die Bewertung dieser Challenger-Banken ist im Vergleich zu dem Geld, das diese Unternehmen tatsächlich hereinholen, enorm. Dies wurde durch den Konkurs von Finn, einer Challenger-Bank von JPMorgan, deutlich, die bereits ein Jahr nach ihrer Gründung schließen musste.

Um Einnahmen zu erzielen, bieten einige dieser Banken zahlungspflichtige Abonnementmodelle an, die den Nutzern zusätzliche Funktionen bieten, während andere auf der Grundlage von Zahlungen Einnahmen erzielen. Diese Banken könnten sich auch in den Bereich der Kreditvergabe wagen, in dem ihre Gewinne noch weiter wachsen könnten. Challenger-Banken müssen Lösungen für ihr Profitdilemma finden, wenn sie den herkömmlichen Bankbereich langfristig wirklich umkrempeln wollen.

Banking the unbanked – Bankgeschäfte für Verbraucher ohne Bankkonto

Laut der World Bank gibt es weltweit fast 2 Milliarden Menschen ohne Bankkonto. Der Begriff „Banking the unbanked“ wird in der gesamten Fintech-Branche häufig verwendet, um Innovationen zu beschreiben, die Menschen ohne Zugang zu herkömmlichen Banken oder Finanzinstituten Finanzdienstleistungen bereitstellen werden.

Dieser Prozess begann zunächst mit der Nutzung von Bankgeschäften über Smartphones, mit denen Betroffene in unterversorgten Gebieten Bankgeschäfte tätigen konnten. Bei früheren Versionen des mobilen Bankings wurden SMS eingesetzt, über die jeder eine mobile Verbindung zur Bank über sein Gerät herstellen konnte. Es wird angenommen, dass die weltweit erste funktionale Banking-App 2011 von der RBS auf den Markt gebracht wurde und damit den Weg für den Aufstieg des mobilen Banking ebnete. Heute ist mobiles Banking der Standard, der dazu beigetragen hat, den Umfang der Bankdienstleistungen weltweit zu erweitern. Dennoch gibt es noch viele Möglichkeiten, wie Menschen ohne Bankzugang in Zukunft bessere Dienstleistungen angeboten werden können.

Einer der wichtigsten Aspekte bei der Unterstützung dieser Menschen ist die Entwicklung eines Bankensystems, bei dem für die Nutzer nur minimale oder gar keine Kosten anfallen. Nur so können es sich wirtschaftlich benachteiligte Personen leisten, ein Bankkonto zu unterhalten und Bankdienstleistungen zu nutzen.

Es heißt, dass die Blockchain-Technologie der Katalysator sein wird, um Bankdienstleistungen für diejenigen voranzubringen, die derzeit keinen Zugang dazu haben. Da es sich bei den Blockchains um Distributed Ledgers handelt, stehen sie nicht unter der Kontrolle eines Finanzinstituts und operieren daher dezentral. Dadurch entsteht ein unzensierbares und frei fließendes Geldsystem, in dem jeder – unabhängig von seinem Herkunftsland und seinen Ansichten – Zugang zu einem neuen Typ von Banksystem haben kann. Derzeit bietet Bitcoin den größten Zugang zu Kapital für die Befürworter digitaler Währungen, aber es lässt sich nicht sagen, ob in Zukunft eine andere Kryptowährung zur Branchennorm wird.

Aber es geht nicht nur darum, Menschen weltweit Bankkonten bereitzustellen, sondern ihnen über Privat- und Kleinunternehmenskredite Zugang zu Kapital zu ermöglichen. Dies ist ein Bereich, in dem Fintech-Kreditgeber intensiv neue Wege der Kreditvergabe außerhalb des herkömmlichen Kreditmodells geschaffen haben. Im Rahmen des herkömmlichen Kreditsystems werden nur Daten von Finanzinstitutionen verwendet, um einen Einblick in die Kreditwürdigkeit eines potenziellen Kreditnehmers zu erhalten. Fintechs haben einen völlig neuen Weg eingeschlagen und begonnen, anhand von alternativen Finanzdatenpunkten (Rechnungen von Versorgungsunternehmen, Mietzahlungen, Beschäftigungsverlauf usw.) Kreditnehmer zu genehmigen, die sonst keine Chancen hätten.

Andere Kreditbereiche wie z. B. die Peer-to-Peer-Kreditvergabe (P2P) bieten Zugang zu den Kreditnehmern. Akademischen Untersuchungen zufolge unterstützen P2P-Kreditgeber Kunden in unterversorgten Gebieten, Zugang zu Krediten zu erhalten.

Sicherheit und Datenschutz

Da Finanzdaten nahtlos zwischen Institutionen und Anwendungen fließen, wird der Bedarf im Hinblick auf Datenschutz und -sicherheit noch größer werden. Dies erfordert nicht nur verbesserte Sicherheitsdienste, sondern auch eine bessere Aufklärung, damit Verbraucher und Unternehmen nachvollziehen können, wie sich neue Technologien auf ihre Finanzdaten auswirken werden. Nach Ansicht von Brancheninsidern sind Datensicherheit und Datenschutz eine primäre Bedrohung für das zukünftige Wachstum der Fintech-Branche.

Sicherheit und Datenschutz

Laut Jane Barratt, Chief Advocacy Officer beim Finanzdatenunternehmen MX, hat die breite Öffentlichkeit keine Vorstellung, was mit ihren Finanzdaten geschieht, insbesondere, wenn es um die neue Welt des offenen Bankings geht.

„Die Leute wissen nicht wirklich, wohin ihre Daten gehen … Der breiten Öffentlichkeit fehlen einige Informationen darüber, was offenes Banking eigentlich ist. Wenn es einen Anwendungsfall für die Freigabe der Daten gibt, verstehen dies die meisten. „Ich kann es verwenden, um die Daten an die Buchhaltung oder eine Budgetierungs-App weiterzugeben.“ Oder: „Ich muss meine Daten nicht manuell durch eine Erklärung oder [indem] ich sie für sie aufschreibe weitergeben.“ Aber das Ökosystem um die Daten herum muss immer noch zusammengefügt werden.

Verordnungen wie die europäische DSGVO werden zusammen mit der Anti-Geldwäsche (AML)- und der Know your customer (KMC)-Richtlinie in Zukunft eine Schlüsselrolle dabei spielen, wie Finanzdaten in einer Welt des Informationsaustauschs und -flusses gesichert werden.

Unternehmen außerhalb des Bankwesens kommen ins Spiel

Es sind nicht nur die Challenger-Banken, die den Rahmen des herkömmlichen Finanzwesens ausreizen, sondern auch Unternehmen außerhalb des Bankwesens – meist große Technologieunternehmen –, die daran arbeiten, ein Stück vom Kuchen zu erhalten.

Bankwesens

Es würde niemanden überraschen, wenn sich Google und Apple in den kommenden Jahrzehnten zu den größten Finanzunternehmen der Welt entwickeln würden. Grund dafür ist, dass sich beide Technologie-Giganten langsam auf den Weg machen, bessere Finanzdienstleistungen als Banken und Bankinstitutionen bereitzustellen.

Mit dem iPhone als eines der bekanntesten Mobilgeräte weltweit verfügt Apple über eine große Nutzerbasis, die in seine Finanzdienstleistungsangebote einbezogen werden kann. Apple Pay hat schon über 383 Millionen Nutzer, und es ist ein Wachstum zu verzeichnen, was es bereits zu einem bedeutenden Akteur auf dem Markt macht. Das Unternehmen hat sein Angebot auf die Apple Card ausgeweitet, eine digitale und physische Kreditkarte, die nahtlos mit Apple-Geräten funktioniert.

Auch die chinesische App WeChat sorgt für Schlagzeilen als Finanzakteur; über 800 Millionen seiner Nutzer haben im vergangenen Jahr Geld über WeChat Pay gesendet. Alipay von Alibaba zeigt ähnliche Statistiken, mit über 900 Millionen Nutzern. Auch Google wird aktiv, und das Unternehmen hat gerade angekündigt, dass es seinen Kunden Girokonten anbieten wird.

Da neue Technologien die Finanzdienstleistungen vorantreiben, sind es die Tech-Unternehmen, nicht die Finanzinstitutionen, die die zukünftigen Branchenführer sein könnten.

Automatisierte Dienste

Die Automatisierung ist ein Schlüsselfaktor bei der Bereitstellung von benutzerfreundlichen Finanzdienstleistungen für Kunden, die einen praktischeren Ansatz für das Bank- und Finanzmanagement suchen. Dies begann mit Funktionen wie der automatisierten Bezahlung von Rechnungen und hat sich inzwischen zu einer Vielzahl von automatisierten Finanzdienstleistungen entwickelt, die für viele die Finanzverwaltung erheblich vereinfachen.

Zu diesen ganzheitlichen Diensten gehören:

  • Mit Apps zum automatischen Sparen wie Digit und Acorns kann automatisch Geld gespart werden, ohne dass der Nutzer aktiv werden muss.
  • Ganzheitliche Geldverwaltung: Mint war eine der ersten Apps, die einen ganzheitlichen Ansatz für die Verwaltung geboten und Informationen aus einer beliebigen Anzahl von Finanzkonten entnommen hat.
  • Auf der Suche nach den besten Angeboten: Dienste wie Wikibuy durchforsten das Internet nach dem bestmöglichen Angebot für einen bestimmten Artikel, während Honey und andere Apps automatisch Gutscheine für Online-Einkäufe anwenden und den besten Preis suchen.
  • Finanzielles Wissen: Die Budgetierung kann jetzt mithilfe von Apps und automatisierten Diensten durchgeführt werden, um Einblicke in Ausgabengewohnheiten zu erhalten und zu erfahren, wo Einsparungen vorgenommen werden können.

Mit künstlicher Intelligenz werden diese Dienste weiter vorangetrieben. KI kann Kundendaten besser analysieren sowie Angebote und Abschlüsse basierend auf Kundenverhalten anbieten. Die Banken beginnen, KI einzusetzen, um Kundendaten zu untersuchen und den Kunden Angebote zu unterbreiten, die besser auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind, sei es der Kontoüberziehungsschutz, die Versicherung oder das Cross-Selling anderer Finanzprodukte, die den Anforderungen der Kunden entsprechen.

Diese Automatisierung wird weiter wachsen und Nutzern die Möglichkeit bieten, ihr Finanzleben zu automatisieren.

Zum Nutzen aller

Mit dem Wachstum der Fintech-Dienste können immer mehr Unternehmen der Öffentlichkeit Fintech-Anwendungen anbieten. Dieser Wettbewerb wird dazu beitragen, die Kosten für Verbraucher und Unternehmen zu senken, die von dem verstärkten Wettbewerb und der Vielfalt der Dienstleistungen im Finanzbereich profitieren werden. Dies wird auch dazu beitragen, die Bemühungen um die Bereitstellung von Fintech-Dienstleistungen für Menschen, die derzeit nicht über eine angemessene Bank- und Finanzinfrastruktur verfügen, voranzutreiben. Für Unternehmen, die diese neuen Kunden gewinnen, stellt dies wiederum einen großen potenziellen Gewinn dar.

In dieser neuen Welt der demokratisierten Finanzdienstleistungen zu niedrigen Kosten können alle gewinnen. Ein großes Dankeschön an die anhaltende Fintech-Revolution.

*Wie bei jeder Investition ist Ihr Kapital gefährdet und die Anlagen sind nicht garantiert. Die Rendite beträgt bis zu 6,75 %. Bevor Sie sich für eine Investition entscheiden, lesen Sie bitte unsere Risikoerklärung oder wenden Sie sich gegebenenfalls an einen Finanzberater.