Stellen Sie sich eine Welt vor, in der alle Ihre Geräte miteinander verbunden sind. Ihr Wecker meldet es Ihrer Kaffeemaschine, wenn Sie morgens eine Tasse frischen Kaffee zubereitet haben wollen. Ihr Drucker kauft automatisch neue Tinte über Ihr Amazon-Konto, wenn er bemerkt, dass die Patronen zur Neige gehen. Auch Ihr Rasenmäher warnt Sie, dass er eine Wartung benötigt, noch bevor es zu Problemen kommt. Das ist es, was das Internet der Dinge (IoT, aus dem englischen „Internet of Things“) zu erschaffen versucht. Eine Welt, in der Geräte und Computer miteinander verbunden sind, um das Leben der Menschen zu vereinfachen und gleichzeitig die Effizienz und die Prozesse der Geschäftswelt zu verbessern.

Die Faszination, Geräte aller Formen und Größen miteinander zu verbinden begeistert die technisch Versierten. Doch leider ist diese Technologie für ältere Menschen schwer zu verstehen und anzuwenden. Hinzu kommen wachsende Sicherheitsrisiken, sodass das IoT aktuell noch einen langen Weg vor sich hat, auch wenn es bereits jetzt schon im täglichen Leben regelmäßig genutzt wird.

Was ist das Internet der Dinge?

Das Internet der Dinge (IoT) hat zum Ziel, alle physischen Objekte der Welt mit dem Internet zu verbinden. Besitzt ein Objekt einen Ein- und Ausschalter, hat es das Potenzial, mit dem Internet verbunden zu werden und wiederum Teil eines IoT-Netzwerks zu sein. Auf diese Weise erhalten Verbraucher und Unternehmen mehr Kontrolle über Objekte, sowie Einblicke und Daten, die sich darauf beziehen, wie z. B. dessen Temperatur, seinen Standort und andere Datenpunkte. Um die Daten zu sammeln, sind die Objekte mit Sensoren ausgestattet, die ihre Bewegungen und andere wichtige Daten erfassen. Diese Daten werden anschließend an andere Geräte gesendet, um die Informationen zu analysieren und basierend auf den gesammelten Echtzeitinformationen bessere Entscheidungen zu treffen.

Erste Versuche mit dem Internet der Dinge begannen bereits in den 1980er Jahren. Mehrere Doktoranden der Carnegie Mellon University wollten eine Möglichkeit schaffen, den Inhalt eines Automaten von einem anderen Ort aus verfolgen zu können, um zu wissen, wann die Produkte ausverkauft sind. Auf diese Weise müssten die Studenten nicht extra dorthin gelangen, um zu erfahren, ob er noch ausreichend mit ihren Lieblingssnacks und -getränken bestückt ist. Die Studenten installierten Sensoren, die den Lagerbestand jedes Produkts bestimmen sollten und banden diese Sensoren in ein Internet-Netzwerk ein, um die Bestandsänderungen von überall her verfolgen zu können. Das Experiment dieser Studenten war ein durchschlagender Erfolg. Einer der Entwickler dieser Technologie erinnert sich: „Nach einer Weile war es ganz normal, den Stand des Cola-Automaten zu überprüfen bevor man nach unten ging, denn man wollte sichergehen, die kälteste Cola zu bekommen.“

Was mit der Datenerfassung des Bestandes eines Getränke-Automaten begann, ist heute explosionsartig gewachsen. Der IoT-Markt wird bis 2023 voraussichtlich 318 Milliarden Dollar erreichen. Täglich werden mehr und mehr Objekte mit dem Internet verbunden und bauen damit auf den bereits vorhandenen IoT-Netzen auf. Die Auswirkungen des IoT sind enorm. Da jedes Gerät in einem IoT-Netzwerk miteinander kommunizieren kann, besteht das Potenzial, ausgedehnte Netzwerke von miteinander verbundenen Objekten aufzubauen, die harmonisch zusammenwirken, um Ineffizienzen zu verbessern und Probleme wie nie zuvor zu identifizieren.

Unendliche Einsatzmöglichkeiten

Die Bestandskontrolle bei Automaten war nur die Spitze des Eisbergs, denn in den kommenden Jahrzehnten werden sich noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten für das Internet der Dinge ergeben. Betrachten wir einige grundlegende Beispiele, die bereits existieren:

Im Laufe der Jahrzehnte gab es relativ wenige Innovationen bei Schreibtisch-Lampen. Sicher, der Klatschsensor “The Clapper” erleichterte es enorm, die Lampe von der anderen Seite des Raumes aus einzuschalten, doch ist es über all die Zeit eher ein Party-Gag geblieben. Heute können Verbraucher ihre Lampe mithilfe von IoT-Technologie an intelligente Haushaltsgeräte wie Amazon Alexa anschließen. Auf diese Weise kann der Benutzer eine Lampe nicht nur mit einem einfachen Sprachbefehl ein- und ausschalten, sondern das Licht auch auf ein bestimmtes Niveau dimmen oder bei Bedarf sogar die Lichtfarbe ändern. Dies ist nur eines von vielen Heimanwendungsbeispielen für das IoT, die von intelligenten Thermostaten bis hin zu Sicherheitssystemen reichen.

Vernetzte Autos gehören zu den am häufigsten diskutierten IoT-Anwendungen. Diese Fahrzeuge dienen als großer Computer und helfen dem Fahrer, Musik zu streamen, Texte zu diktieren und sogar freihändig zu parken. Schließlich hofft man, dass das letztendlich dazu führt, dass die Fahrzeuge vollständig von alleine fahren und die Fahrer sich entspannt zurücklehnen können. Das IoT befeuert diese Entwicklung, denn IoT-Technologie hilft bei der Übermittlung von Daten zum GPS-Standort, dem Straßenzustand und dem Verkehr, damit ein autonomes Fahrzeug seine Route bestimmen und sicher auf der Straße fahren kann.

Ähnlich wie bei vernetzten Autos tragen fahrerlose Gabelstapler dazu bei, die Effizienz in den Lagern auf der ganzen Welt zu steigern. Diese Gabelstapler können aufgrund von Anweisungen des Personals erkennen, welche Objekte bewegt werden müssen, und können sogar Kollisionen vermeiden, indem sie den Abstand anderer Objekte im Raum erfassen. Das neue intelligente Lager wird nicht nur mit autonomen Gabelstaplern ausgestattet sein, sondern auch mit Sensoren, die an den Regalen zur Erfassung der Lagerbestände nachgerüstet werden, sowie mit tragbaren Geräten, die es den Mitarbeitern erlauben, ihre Gesundheit am Arbeitsplatz zu verfolgen. Das IoT mit seinen vernetzten Roboterlösungen ist einer der Wege, wie Amazon es schafft, seinen Mitbewerbern immer einen Schritt voraus zu sein.

Das IoT könnte älteren Menschen helfen, aber nur, wenn sie es bedienen können

Viele sehen das Internet der Dinge als ein spannendes Zukunftskonzept, das die Art und Weise, wie wir mit den uns umgebenden Objekten umgehen, revolutionieren könnte. Für andere wiederum mag es eine beunruhigende Vorstellung sein, die eher nach Science-Fiction klingt.

Obwohl die Technologie bereits heute schon vorhanden ist, muss sie noch eingerichtet und installiert werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass auch die weniger technisch Versierten sie nutzen können, denn die beteiligten Geräte sind nicht immer leicht zu bedienen. Besonders betont wurden diese Probleme vom Chefredakteur von New Relic, Inc. Fredric Paul:

„Egal wie einfach es auch erscheinen mag, mit Amazon Echo zu sprechen – „Alexa, spiele etwas klassische Musik“ – erweist es sich oft als komplizierter als das. Was passiert, wenn Sie sich nicht mehr an den Namen des Songs erinnern können, den Sie hören möchten? Alexa in ihrer bildschirmlosen Art macht es nicht einfach, Ihre CD- oder Vinyl-Sammlung nach Inspiration zu durchsuchen. Und wenn bei der Verbindung etwas schief geht, kann die Fehlersuche bei einem sprachgesteuerten Gerät schnell zu einer kafka-ähnlichen Tortur werden.“

Interessanterweise könnte diese Technologie, die so unheimlich und einschüchternd wirkt, der älteren Bevölkerung immense Vorteile bieten. Es gibt eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten für IoT-Geräte im Gesundheitswesen, um die Versorgung und Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern. Zwar kann die Bedienung sprachgesteuerter Systeme schwierig sein, die Bestellung von Toilettenpapier oder Lebensmitteln mit nur wenigen Worten könnte jedoch das Leben vieler Menschen, die sonst Schwierigkeiten mit solchen Aufgaben haben, drastisch verbessern. Vernetzte Geräte können ebenso täglich benötigte Medikamente exakt dosieren oder sogar das Sturzrisiko bei Erwachsenen ab 65 Jahren vorhersagen.

Sicherheitsrisiken

Die Integration von immer mehr Geräten in das Internet schafft mehr Angriffspunkte für Hacker und böswillige Akteure. Sicherheitsverletzungen von IoT-Geräten und -Netzwerken stellen für die Experten der Branche ein großes Problem dar. Leider sind die derzeitigen IoT-Sicherheitssysteme dem noch nicht gewachsen. Laut einer Studie haben 48 % der Unternehmen, die das Internet der Dinge nutzen, kein System, das feststellen kann, ob sie gehackt wurden.

Fälle von früheren Hacks im IoT-Netzwerk machen den Anschein, direkt einem Horrorfilm entsprungen zu sein.

Der größte Distributed Denial of Service (DDoS)-Angriff in der Geschichte, der einen Großteil des Internets lahmlegte, wurde auf Malware zurückgeführt, die über IoT-Geräte eingeschleust wurde. Da die Malware nach angeschlossenen Geräten suchen konnte, konnte sie bei dem Angriff die Kontrolle über schätzungsweise 100.000 Geräte übernehmen.

Glauben sie, dass Ihr mit dem IoT verbundenen Fahrzeug sicher ist? Vielleicht sollten Sie das noch einmal überdenken. Hacker veranschaulichten die Schwachstellen von IoT-Geräten, indem sie die Kontrolle über einen Jeep übernahmen. Sie fuhren ihn von der Straße herunter, während sich ein Reporter darin befand (der nicht verletzt wurde und wusste, dass der Angriff durchgeführt wird). Die Hacker waren nicht nur in der Lage, die Steuerung und die Bremsen des Fahrzeugs zu manipulieren, sondern auch das Radio und alles andere, was sie wollten. Das sind beängstigende Aussichten für jeden, der bereits heute ein vernetztes Auto fährt.

Andere Angriffe mögen unbedeutend erscheinen, trotzdem zeigen auch sie die IoT-Technologie betreffenden Sicherheitsprobleme auf. In Finnland haben Hacker im November die Heizung von zwei Mehrfamilienhäusern stillgelegt. Und bei einigen Unternehmen wurden die Drucker gehackt, was es den Angreifern leicht macht, den Zugriff auf sensible Dokumente zu erhalten.

Abgesehen von den offensichtlichen Angriffen sind Hacker auch in der Lage, die Privatsphäre von IoT-Nutzern zu verletzen. Durch das Hacken von IoT-Geräten können sensible personenbezogene Daten und Informationen weitergegeben werden. Doch es muss nicht einmal ein Hacker sein, der solche Informationen herausgibt. In einem neueren Gerichtsverfahren wurden IoT-Daten von einem Fitbit-Gerät verwendet, um einen Mann wegen Mordes anzuklagen.

Es gibt einige Möglichkeiten, wie sich Benutzer von IoT-Geräten vor solchen Schwachstellen schützen können. Vorsichtsmaßnahmen wie die Verschlüsselung von Daten und der Betrieb in einem sicheren Netzwerk sind gute Voraussetzungen. Darüber hinaus ist der Schutz vor körperlichen Verletzungen von entscheidender Bedeutung. Je mehr Zugangspunkte für physische Geräte in das Netzwerk gelangen, desto einfacher ist es für das Netzwerk, sich mit bösartigem Code oder Viren zu infizieren. Die weitestmögliche Begrenzung dieser Zugangspunkte reduziert dieses Risiko erheblich.

Fazit

Der Durchschnittsverbraucher lebt bereits ein Leben voller vernetzter IoT-Geräte. Handys, Autos und intelligente Lautsprecher sind nur die Spitze dieser bereits existierenden Anwendungen und bilden die Grundlage für eine Zukunft mit noch stärkerer Vernetzung von Geräten des täglichen Lebens. Aus wirtschaftlicher Sicht hat das IoT neue und verbesserte Lager geschaffen, um die Effizienz zu maximieren. Die IoT-Technologie hat jedoch erhebliche Sicherheitsrisiken, die aber offenbar nicht ausreichen, um die Dynamik in Richtung einer Welt zu stoppen, in der alles miteinander verbunden ist.