Juli 2022: Fintech-News

Finanztipps

Das Jahr 2022 war für die Fintech-Branche eine regelrechte Achterbahnfahrt. Und angesichts der anhaltenden Inflation und sich abzeichnenden Rezession wird vermutlich auch der Rest des Jahres für Fintech-Unternehmen und Investoren viele Höhen und Tiefen bereithalten. Aber wie schlimm steht es um die Fintech-Unternehmen weltweit wirklich, und wieso zeigt eine der vielversprechendensten Branchen der Jahren 2020 und 2021 einen solchen Rückgang?

Sehen wir uns doch einmal die neuesten Fintech-Nachrichten von Juli 2022 an:

Nach einem Allzeithoch brachen die Kryptowährungen im Jahr 2022 ein und verloren mehr als 60 %.
Nach einem Allzeithoch brachen die Kryptowährungen im Jahr 2022 ein und verloren mehr als 60 %.

Absturz der Kryptowährungen

Bitcoin und andere digitale Währungen werden zwar generell als risikoreiche Anlagen eingestuft, aber selbst konservative Anleger waren schockiert, als große und kleine Kryptowährungen in nur wenigen Monaten heftige Verluste von mehr als 60 % hinnehmen mussten.

Schon seit einigen Jahren stehen Kryptowährungen aufgrund ihrer phänomenalen Renditen immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit von privaten und institutionellen Anlegern. Nachdem der Bitcoin im Jahr 2021 den Titel Top-Performance-Anlage des Jahrzehnts für sich beanspruchen konnte, setzte er seinen Aufstieg bis November 2021 fort. Dann aber holte ihn die Schwerkraft wieder auf den Boden zurück.

Seitdem hat sich die Situation der Kryptowährungen noch weiter verschlechtert. Coinbase (NASDAQ: COIN), eine der größten Krypto-Börsen, zeigt seit Jahresbeginn einen Rückgang von über 75 %. Anfang Juli hat der Krypto-Broker Voyager ohne Vorankündigung den gesamten Handel sowie alle Auszahlungs- und Einzahlungsmöglichkeiten ausgesetzt. Einige Tage später meldete Voyager Konkurs an und steht jetzt kurz davor, von der Börse genommen zu werden: Und Voyager war nicht der einzige Krypto-Makler, der im Juli ein solches Schicksal erleiden musste. Vauld, eine Krypto-Börse aus Singapur, hat ihren Betrieb vollständig eingestellt und die Anleger ratlos zurückgelassen.

Die drohende Rezession trifft Fintech-Unternehmen besonders hart

Von der drohenden globalen Rezession sind Fintech-Firmen besonders stark betroffen, und viele Unternehmen überdenken ihre Ausgaben und überlegen sogar, geplante Börsengänge zu verschieben. Jaidev Janardana, CEO der britischen Onlinebank Zopa, sagte: „Es gibt keine Märkte – weder für Finanzen noch für Technologie.“ Ursprünglich hatte das Unternehmen einen Börsengang im Jahr 2022 angestrebt, aber der Krieg in der Ukraine, die Inflation und andere drohende wirtschaftliche Schwierigkeiten könnten diesen Zeitplan hinfällig machen.

Janardana ist mit seiner Analyse einer Flaute bei den Investorenaktivitäten im Fintech-Sektor nicht alleine. Früher war es für die Fintechs ein Leichtes, Geldmittel zu beschaffen, aber in letzter Zeit haben die Investoren auf die Bremse getreten und den Rückwärtsgang eingelegt. Im Jahr 2021 konnten Fintech-Unternehmen Investitionen in Höhe von mehr als 210 Mrd. € auf sich vereinen, aber alles deutet darauf hin, dass es in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 eine weitere Durststrecke bei den Finanzierungen geben wird. Iana Dimitrova, CEO von OpenPayd (einer Banking-as-a-Service-Plattform), sagte: „Unter den Investoren ist die Stimmung sehr düster.“ Andere Fintech-CEOs prognostizieren eine Bereinigung in der Fintech-Branche durch Konsolidierungen und Schließungen.

Investoren mögen im Moment kein „Jetzt kaufen, später zahlen“

„Jetzt kaufen, später zahlen“ war bei Investoren in den Jahren 2020 und 2021 sehr beliebt. Die Menschen mussten zu Hause bleiben und gaben ihr Geld für Online-Einkäufe aus. Fintechs und Anbieter von „Jetzt kaufen, später zahlen“ erlebten in dieser Zeit einen Boom. Aber angesichts zunehmender Rezessionsrisiken und einer Inflation, die sich auf fast jeden Sektor auswirkt, sagen die Investoren „Jetzt lieber nicht“ zu „Jetzt kaufen, später zahlen“. Die Herausforderungen durch Rezession und Inflation in Verbindung mit potenziellen neuen Regulierungen haben dazu geführt, dass Investoren lieber zweimal nachdenken, bevor sie Geld in „Jetzt kaufen, später zahlen“ investieren.

Entlassungen in der Fintech-Branche nehmen zu

Bei vielen Fintech-Unternehmen ist die Einstellungswelle offiziell beendet oder – besser gesagt – wurde jäh abgebremst. Die Unternehmen setzen nun im Gegenteil auf Entlassungen, um Kosten zu senken und sich über Wasser zu halten. Das schwedische Fintech-Unternehmen Klarna, einer der größten „Jetzt kaufen, später zahlen“-Anbieter der Welt, hat angekündigt, 10 % seiner Belegschaft zu entlassen. Begründet wird dies mit der Notwendigkeit, die Kosten zu senken, da eine neue Finanzierungsrunde bevorsteht.

Nach dem Boom in den Jahren 2020 und 2021 haben die Fintech-Unternehmen jetzt einen Einstellungsstopp verhängt, Kostensenkungen eingeleitet und umfangreiche Entlassungen vorgenommen.
Nach dem Boom in den Jahren 2020 und 2021 haben die Fintech-Unternehmen jetzt einen Einstellungsstopp verhängt, Kostensenkungen eingeleitet und umfangreiche Entlassungen vorgenommen.

Insgesamt hat die Fintech-Branche einige der heftigsten Entlassungswelle aller Branchen zu verzeichnen und übertrifft damit sowohl den Krypto- als auch den Immobiliensektor. Nicht nur Klarna entlässt also Mitarbeiter (rund 700), sondern beispielweise auch Robinhood: Anfang 2022 wurden 9 % seiner Mitarbeiter entlassen. Und auch MainStreet, ein amerikanisches Fintech-Unternehmen, reduzierte im Mai 2022 seine Belegschaft um satte 30 %.

Die Fintech-Branche strauchelt, aber es gibt auch Hoffnung

Die Fintech-Branche steht zwar gerade nicht gut da, aber nicht alle Fintech-Unternehmen haben zu kämpfen. Hier erfahren Sie, wohin sich die Fintech-Branche unserer Meinung nach entwickelt und wo es in den kommenden Monaten und Jahren Hoffnung auf Wachstum geben wird.

Open Banking und Zahlungsabwicklung

Open Banking (sicheres Integrieren von Drittanbieter-Technologien für die Zahlungsabwicklung) hat die Aufmerksamkeit von Investoren auf der ganzen Welt auf sich gezogen. Einem Bericht zufolge bieten bereits 43 % der großen Finanzinstitute Open Banking an. Risikokapitalgeber scheinen ihren bisherigen Fokus auf Kryptowährungen und „Jetzt kaufen, später zahlen“ zu konkreteren Investitionen wie Open Banking, digitale Zahlungen und den Aufbau einer effizienteren Infrastruktur für die Zahlungsabwicklung verlagert zu haben.

Die Fintech-Branche war zwar im Jahr 2022 von Verlusten betroffen, aber in den Bereichen Zahlungsabwicklung und Open Banking gibt es einen Hoffnungsschimmer.
Die Fintech-Branche war zwar im Jahr 2022 von Verlusten betroffen, aber in den Bereichen Zahlungsabwicklung und Open Banking gibt es einen Hoffnungsschimmer.

Anfang 2022 konnte sich Checkout.com, ein britischer Anbieter von Zahlungslösungen, bei einer sagenhaften Bewertung von 40 Milliarden Euro satte 1 Milliarde Euro in der Series-D-Finanzierungsrunde sichern. Zu weiteren britischen Fintechs, die 2022 erfolgreich Geld einsammeln konnten, gehören Paddle, ein Startup-Unternehmen für Zahlungsinfrastrukturen, das im Mai eine Series-D-Finanzierungsrunde in Höhe von 200 Millionen Euro abschloss, und Bud, ein Fintech-Unternehmen, das Open-Banking-Lösungen anbietet und im Juni eine Series-B-Runde mit 80 Millionen Euro zum Ende bringen konnte.

Fazit

Der Rest des Jahres 2022 wird für die Fintech-Welt interessant werden. Während Investoren kleinere Schecks ausstellen und bei ihren Investitionen wählerischer sind, ziehen innovative Unternehmen weiterhin Investoren an. Die Aussichten für Fintechs sehen im Moment düster aus, und alles scheint auf eine unvermeidliche Marktkorrektur hinauszulaufen (viele halten dies sogar für das Platzen der Tech-Blase). Das Ergebnis deutet auf eine Abkehr von trendigen Investitionen wie „Jetzt kaufen, später zahlen“ und Kryptowährungen hin und auf eine Hinwendung zu stabileren, profitableren Fintech-Lösungen wie Open Banking und Zahlungsabwicklungsinfrastrukturen.