Langfristiges Denken bedeutet langfristiges Handeln

Finanztipps

Seien wir mal ehrlich: Wir denken und handeln nicht so langfristig, wie wir gerne vorgeben. Klar, wir behaupten von uns, dass wir langfristig investieren und glauben auch, dass wir es machen – aber stimmt das?

Höchste Zeit für einen Test.

Hallo, ich bin Kolja Barghoorn von Aktien mit Kopf, einem deutschen YouTube-Kanal zu den Themen Aktien, P2P-Kredite und Investieren. Heute möchte ich darüber reden, wie wir meiner Meinung nach zu langfristigen Investoren werden können.

Kolja Barghoorn
Kolja Barghoorn

Reed Hastings, der CEO von Netflix, hat einmal gesagt, dass es zwei Versionen von uns gäbe: eine angestrebte Version, also das, was wir gerne sein würden, und eine tatsächliche Version. Diese beiden Versionen unterscheiden sich oft ziemlich stark voneinander. Als Beispiel nannte er Lieblingsfilme: Über die einen Filme reden wir, teilen sie mit anderen und geben ihnen Likes – und die anderen Filme sehen und lieben wir tatsächlich (heimlich).

Wir sind also vielleicht alle ein bisschen wie Gollum (Sie wissen schon, der mit dem Mantra „Mein Schatz“ aus „Der Herr der Ringe“): Wir denken oder fühlen anders, als wir uns letztendlich verhalten.

Wir denken zum Beispiel, dass wir uns ausgewogen ernähren und einen gesunden Lebensstil führen, haben aber in Wirklichkeit einen Vitaminmangel oder nehmen zu viele Kalorien zu uns. Wir denken, dass wir bei der Arbeit produktiv sind, managen aber vielleicht einfach nur sehr effizient unsere Nicht-Produktivität.

Andere stufen wir als irrationale Heuchler ein, glauben abervon uns selbst, dass wir rationale Investoren mit langfristigen Zielen sind. Aber wenn sich dann etwas unerwartet entwickelt oder sogar schiefläuft, ist es oft vorbei mit unserer Strategie des langfristigen Denkens. Noch schlimmer: Wir glauben dann weiter, dass wir langfristig denken, obwohl wir das überhaupt nicht mehr machen. Jetzt übertragen wir meine These mal auf die Welt der P2P-Investitionen.

Den langen Weg einschlagen: leichter gesagt als getan
Den langen Weg einschlagen: leichter gesagt als getan

Plattformen wie Bondora machen es uns leicht, zu investieren und unser Portfolio zu diversifizieren: Wir können (bis zu einem gewissen Punkt) fast alles automatisieren. Einmal einrichten und dann vergessen. Allerdings kommt es manchmal zu unerwarteten Wendungen: Alles lief gut und wunderbar, bis COVID-19 auftauchte. Die Leute flüchteten, nämlich aus ihren P2P-Anlagen. Ein Blick in die Statistiken sagt alles. Auf Facebook waren die Foren und Gruppen voller panischer Menschen, die den unvermeidlichen Untergang der gesamten Branche vorhersahen und ihre Investitionen so schnell wie möglich loswerden wollten. Und das, obwohl sie dabei enorme Verluste erlitten, da sie ihre Kredite mit großen Abschlägen auf den Sekundärmärkten verkaufen mussten.

Das ging so weit, dass Einschränkungen für Auszahlungen verhängt werden mussten. Wir als Investoren müssen also sogar vor uns selbst geschützt werden? Ja, das ist verstörend, aber die Wahrheit.

Ich meine, was haben wir denn gedacht? Dass Investieren immer nur eitel Sonnenschein und Regenbögen bedeutet? Wir wissen jetzt, dass das nicht so ist. Es wird immer Unsicherheiten, Risiken und, ja, manchmal auch Verluste geben. Das gehört zum Investieren dazu, und langfristiges Handeln bedeutet, genau diese Tatsache zu akzeptieren, sie in unsere Verhaltensweisen und Gewohnheiten zu integrieren und nicht die Flucht zu ergreifen, wenn das Risiko real zu werden droht.

Beim Investieren geht es nicht immer nur um eitel Sonnenschein und Regenbögen
Beim Investieren geht es nicht immer nur um eitel Sonnenschein und Regenbögen

Denn wenn wir das tun, schaden wir unserer Rendite und damit uns selbst. Nur wenn wir adäquat handeln, werden wir langfristig mit einem passiven Einkommen und den Früchten unserer Arbeit belohnt werden.

Wir denken vielleicht langfristig, aber verhalten uns nicht so. Klar, in Zeiten wie diesen wird deutlich, dass es immer einen gewissen Grad an Unsicherheit geben wird. Wir müssen diese Tatsache daher bei unseren Investitionen berücksichtigen und sogar unsere Einstellung daran anpassen – und dann weitermachen.

Als ich 2014 mit P2P-Investitionen anfing, hatte ich natürlich keine Ahnung, wie sich alles entwickeln würde und wie die P2P-Welt im Jahr 2020 oder 2025 aussehen würde. Aber mir war klar, dass etwas Geduld nötig sein wird, um den tatsächlichen Risiko- und Ertragsmechanismus von P2P-Krediten zu beurteilen. Wir wissen eigentlich alle, dass in diesen Zeiten unser langfristiges Denken besonders gefordert ist, aber vergessen nur zu oft, uns auch daran zu halten.

Hinter langfristigem Denken steckt mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Es geht nicht nur um ein Lippenbekenntnis und darum, uns dafür selbst auf die Schulter zu klopfen. Fest steht: Wenn wir einen Ertrag einfahren möchten, können wir nicht ständig in eine Investition hinein- und wieder herausgehen. Denn am Ende bedeutet langfristiges Denken auch langfristiges Handeln.

Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen denen des Gast-Bloggers und spiegeln nicht unbedingt die offizielle Unternehmenspolitik oder Position von Bondora wider.