Als Großbritannien Mitte 2016 für den Austritt aus der Europäischen Union stimmte, stand die Welt unter Schock. Diese unerwartete Wendung der Ereignisse löste eine Welle aus, die zu einer schwankenden britischen Wirtschaft und mehr Fragen als Antworten geführt hat. Der Brexit könnte die Wirtschaft in Großbritannien stark verändern. Während er sich derzeit aber noch in der Schwebe befindet, gibt es noch viel zu klären, bevor das Referendum voll zum Tragen kommt.

Was ist passiert?

Am 23. Juni 2016 stimmten 51,9 % der britischen Bürger bei einem Referendum für den Austritt aus der Europäischen Union. Die Briten waren überzeugt, dass die Europäische Union nicht im besten Interesse des Landes handelt und, dass das Vereinigte Königreich unterm Strich andere Länder subventioniert, die sich nicht an die vom Führungsgremium festgelegten Standards halten. Dies, inmitten einer wachsenden nationalistischen globalen Bewegung, veranlasste die britische Öffentlichkeit, für einen Austritt aus der EU zu stimmen, wodurch die Kettenreaktion des sogenannten „Brexit“ begann.

Obwohl das Brexit-Votum vor zwei Jahren stattfand, war es bisher ein langsamer und mühseliger Prozess für die Nation, erfolgreich die EU zu verlassen. Derzeit ist der Brexit-Prozess stecken geblieben und hat die letzten Stufen noch nicht gemeistert.

Was passiert jetzt?

Premierministerin Theresa May arbeitet mit dem britischen Parlament an einem EU-Austrittsplan, der der Nation zugutekommen und die Beziehungen zur europäischen Einheit nicht vollständig zerstören soll. May erkennt, wie wichtig es ist, gut zu den europäischen Nachbarn zu sein, um Handel und Wirtschaftsbeziehungen aufrechtzuerhalten. Sie versucht, eine Vereinbarung mit der EU zu finden, die es beiden Seiten ermöglicht, im Handel und anderen wirtschaftlichen Angelegenheiten miteinander aktiv zu bleiben.

Eine Abstimmung über das finale Brexit-Vertragswerk durch das britische Parlament wurde bis mindestens Anfang 2019 verschoben, was neue Unklarheiten über die Zukunft gebracht hat. Es scheint so, als sei das britische Parlament der Ansicht ist, dass May mit der EU zu nachsichtig vorgegangen ist, und zu viel von der Souveränität des Landes aufgibt, für die seine Bürger einst mit dem Brexit-Referendum stimmten. Wenn die nächste Abstimmung vom Unterhaus verabschiedet wird, tritt sie am 29. März in Kraft. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Vereinbarung mit Änderungen angenommen wird. Nach dieser Zeit hat die Regierung 21 Tage Zeit, um einen Aktionsplan für die Zukunft zu entwerfen.

Theresa May Brexit deal

Wirtschaftliche Auswirkungen des Brexits

Unabhängig davon, ob May und das Parlament eine Einigung mit der EU erzielen oder nicht, wird der Brexit irgendwann stattfinden, und das wird zu massiven Veränderungen in der britischen Wirtschaft führen.

Obwohl niemand die Auswirkungen des Brexits auf die britische Wirtschaft vorhersehen kann, wird viel darüber spekuliert. Die Schätzungen des zukünftigen Wirtschaftswachstums in Großbritannien variieren von Experte zu Experte. Die meisten sind sich jedoch einig, dass die britische Wirtschaft zumindest kurzfristig als Folge der politischen Bewegung schrumpfen wird.

Economic Impact of Brexit

Auswirkungen auf den Handel

Als das Vereinigte Königreich Teil der Europäischen Union war, handelte es mit anderen Ländern und profitierte von den frei fließenden wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den EU-Ländern. Mit dem bevorstehenden Austritt wird sich Großbritannien sowohl neue Handelspartner suchen, als auch gute Handelsbeziehungen mit EU-Ländern aufbauen müssen, um seine Handelsbilanz zu wahren.

Derzeit sind die Vereinigten Staaten der größte Handelspartner des Landes (Exporte von 59,2 Milliarden US-Dollar), und es ist wahrscheinlich, dass Großbritannien diese bereits starken Handelsbeziehungen weiter ausbauen wird. Die meisten anderen großen Handelspartner des Landes, einschließlich Deutschland und Frankreich, könnten jedoch einen massiven Schlag erleiden, sobald der Brexit seine volle Wirkung entfaltet.

Beschäftigung

Eine der Hoffnungen des Brexits ist, dass er die massiven Einwanderungswellen des letzten Jahrzehnts im Land stoppen wird. Einige befürchten, dass Unternehmen in dem Land einen Arbeitskräftemangel erleiden könnten. Eine vom Beratungsunternehmen Mercer durchgeführte Studie geht davon aus, dass die britische Belegschaft bis 2025 um 820.000 wachsen wird. Dies ist eine deutlich geringere Rate als das Wachstum von noch 2 Millionen des vorangegangenen Jahrzehnts.

Die Frage der Beschäftigung kann letztendlich von dem Ergebnis des Deals des britischen Parlaments mit der EU abhängen. Ein Deal, der zum Zuzug von EU-Arbeitskräften führt, wird für britische Unternehmen gut sein, für britische Arbeitnehmer jedoch negativ, die noch immer mit ihren europäischen Kollegen um Arbeitsplätze konkurrieren müssen. Andererseits profitieren britische Arbeitnehmer von einem eher abgeschotteten Land, das von der Einstellung einheimischer Talente abhängt.

Negative Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt

Investoren, die stark auf den britischen Immobilienmarkt angewiesen sind, sollten möglicherweise nach anderen Anlagemöglichkeiten Ausschau halten. Viele erwarten für die kommenden Jahre harte Zeiten auf dem britischen Immobilienmarkt. Der Chef der Bank of England, Mark Carney, rechnet mit einem möglichen Immobiliencrash. Die Immobilienpreise könnten in den nächsten drei Jahren um bis zu 35 % sinken.

In der Tat könnte dieser Trend bereits jetzt begonnen haben, da die Immobilienpreise im Land seit sechs Monaten gefallen sind, allein im September um 1,4 %, was auf die Erwartung des Brexits zurückzuführen ist. Einzelne Investoren und Hausbesitzer im Land sind dem Immobilienmarkt gegenüber misstrauisch. „Nur wenige Haushalte glauben, dass der Immobilienmarkt derzeit eine gute Investition ist“, sagte Samuel Tombs, britischer Volkswirt bei dem Beratungsunternehmen Pantheon Macroeconomics.

Britische Zinssätze

Nachdem die Zinssätze letztes Jahr zum ersten Mal in diesem Jahrzehnt angehoben worden waren, sanken die britischen Zinsen wieder, da die Folgen des Brexits deutlicher werden. Es wird spekuliert, dass die Zinssätze auf null fallen könnten. UBS-Ökonom David Tinsley erklärte: „Unserer Meinung nach könnte das langfristige britische BIP [durch den Brexit] in einem Szenario, in dem der Zugang sehr eingeschränkt ist, um etwa 3,0 % sinken.“ Tinsley betonte den bereits niedrigen Tiefzins von 0,5 %, der leicht wieder auf null gesenkt werden könnte, wenn die Wirtschaft des Landes ins Stolpern gerät.

Während der Brexit Schlagzeilen macht, gibt es Bedenken, dass er die Frage einer aktuell drohenden Rezession im Land überschattet. Wie die Politik des Brexits mit seinen Auswirkungen auf das langfristige Wachstum und mit den wirtschaftlichen Aussichten des Landes verflochten ist, kann nicht enträtselt werden.

Was bedeutet das für Investoren?

Die Auswirkung des Brexits auf einzelne Anleger bleibt abzuwarten, dürfte aber groß sein. In der Vergangenheit war Großbritannien ein Finanzzentrum in der Europäischen Union, mit vielen Arbeitsplätzen und großen Möglichkeiten. Ein Großbritannien außerhalb der EU könnte die grenzübergreifenden Beschäftigungsmöglichkeiten und das Wirtschaftswachstum großer Unternehmen beeinträchtigen. Diese Faktoren könnten britische Anleger schwer belasten, die möglicherweise nach anderen Anlagemöglichkeiten suchen müssen, um Renditen zu finden, die ihren Bedürfnissen entsprechen, ohne unnötiges Risiko einzugehen.

Auswirkungen auf P2P-Kredite

Der Brexit könnte britische Bürger dazu bringen, Investitionsmöglichkeiten in P2P-Kredite mehr als je zuvor zu nutzen. Britische Bürger haben wahrscheinlich weniger Finanzierungs- und Kreditoptionen zur Auswahl, jetzt, da sie ein Land vor Augen haben, das stärker an seine eigenen Grenzen gebunden ist.

Auf der anderen Seite sind britische Anleger auch auf der Suche nach alternativen Vermögenswerten, wenn die Wirtschaft von Unsicherheit geprägt ist. Wie bereits erwähnt, gibt es Bedenken hinsichtlich des Immobilienmarktes, der nach dem Brexit einbrechen könnte, und einer Gesamtwirtschaft, die mehr Fragen als Antworten bereithält. Dies schafft ein wirtschaftliches Umfeld, in dem alternative Investitionen, wie z. B. P2P-Kredite, für britische Bürger eine gute Wahl darstellen.

Werden andere Länder ebenfalls die EU verlassen?

Die größte Befürchtung aus Sicht der EU ist, dass der Brexit einen Schneeballeffekt von Ländern auslöst, die versuchen, dem Beispiel des Vereinigten Königreichs zu folgen und sie zu verlassen. In Frankreich fordern Demonstranten, dass ihr Land die EU in direktem Widerstand gegen seinen Präsidenten Emmanuel Macron verlässt.

Es ist unklar, ob der Brexit sich zum Vorteil für das Vereinigte Königreich entwickeln wird oder ob die Entscheidung, unabhängig sein zu wollen, irgendwann nach hinten losgeht. Andere Länder, die planen, sich mit dem Thema eines Austritts aus der EU zu befassen, werden die Folgen des Brexits genau beobachten.

Währenddessen warten die Regierung und die Bürger Großbritanniens nach zwei politisch chaotischen Jahren gespannt auf den Höhepunkt der Entscheidung. Alles, was die Briten tun können, ist, nach vorne zu marschieren, in der Hoffnung, dass sich ihr Instinkt, sich von der Europäischen Union zu lösen, letztendlich als positiv erweist.