Was uns 2020 über P2P-Kredite lehrt

Finanztipps

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen denen des Gast-Bloggers und spiegeln nicht unbedingt die offizielle Unternehmenspolitik oder Position von Bondora wider.

2013 habe ich angefangen, einen Blog in Dänisch über persönliche Finanzen und finanzielle Unabhängigkeit zu schreiben.

Mein Plan war ein zeitiger Rentenbeginn, und ich nutzte den Blog als Möglichkeit zu teilen, was ich gelernt hatte und um die Motivation unserer Familie, sparsam zu leben, aufrechtzuerhalten. Nach einer Weile wurde mir bewusst, dass es für die finanzielle Unabhängigkeit trotz allem Optimismus Jahrzehnte brauchen würde. Aber ich erkannte auch, dass ich allein durch die bloße Minimierung unserer Ausgaben in Altersteilzeit gehen konnte. Ich kann jetzt unser Leben mit einem kleinen Einkommen aus einer Tätigkeit finanzieren, die mir gefällt, und das bei ganz flexiblen Arbeitszeiten.

Während der Arbeit am Blog interessierte ich mich immer mehr fürs Investieren und insbesondere für P2P-Kredite. Bondora war die erste Plattform, bei der ich mich anmeldete. 2016 investierte ich einen kleinen Betrag, nur um zu sehen, was passiert.

Mein Start mit P2P-Krediten

Mir gefiel das Konzept und die stabilen Renditen. Also habe ich mich bei verschiedenen anderen Plattformen angemeldet und habe das Konzept gründlicher untersucht. 2016 waren P2P-Kredite für die meisten immer noch ein unbekanntes Konzept. Die Steuerregeln waren unklar, und die Überweisung von Geld ins Ausland war unüblich. Mit der Zeit wurde mir klar, dass auch andere sich mit dieser neuen Anlageklasse beschäftigten und ähnliche Fragen dazu hatten. So habe ich mich entschieden, meine Erkenntnisse im Blog zu veröffentlichen.

Mein Start mit P2P-Krediten

Schließlich veröffentlichte ich das erste dänische Buch zu diesem Thema, in dem alle Informationen übersichtlich zusammengefasst sind.

Gründe fürs Investieren in P2P-Kredite

In erster Linie war ich absolut von dieser Idee fasziniert. Früher war die Kreditvergabe als Investitionskonzept nur für äußerst wohlhabende Personen und institutionelle Anleger gedacht. Sicher, man konnte Anleihen kaufen, wenn man über mindestens 100.000 € verfügte, oder einen Anleihen-ETF, aber das war es dann auch schon.

Heute kann jeder, der etwas Geld übrig hat, P2P-Kredite nutzen. Das bedeutet, dass nun die Möglichkeit, die bislang nur den Reichen offenstand, für alle möglich ist. Dies ist unglaublich.

Mit der entsprechenden Einrichtung und der notwendigen Sorgfalt können P2P-Kredite eine solide Quelle passiven Einkommens sein: Investieren Sie einmal oder nutzen Sie automatische monatliche Investitionen. Dann müssen Sie nur noch bei Bedarf Ihre Renditen abheben. Es kann Verluste geben, aber in einem konservativen Portfolio sollten diese durch die erhaltenen Renditen mehr als gedeckt sein.

Solange die meisten Kreditnehmer ihre Schulden bezahlen, können P2P-Kredite auch eine stabile Einkommensquelle sein. Im Vergleich dazu ist der Aktienmarkt sehr volatil. In einem Monat ist er um 30 % gestiegen, im nächsten Monat um den gleichen Prozentsatz gesunken. Tausende von Faktoren beeinflussen die Aktienkurse, einschließlich dessen, was man als reine Marktstörfaktoren bezeichnen würde.

Historisch gesehen und im Durchschnitt haben Aktien eine ordentliche jährliche Rendite (ca. 7 % bis 10 %) erbracht, je nach Art und Umfang der Erfassung. Aber eine derart volatile Rendite ist keine stabile Einkommensquelle.

Sicher, es kann deutlich weniger als der Marktdurchschnitt abgehoben werden, was auch das Risiko senkt, dass langfristig das Geld ausgeht. Oder Sie können in solide Dividendenaktien investieren. Dafür müssen Sie jedoch im Verhältnis zu Ihren tatsächlichen langfristigen Renditen erheblich mehr investieren.

Trotzdem sollten Aktieninvestitionen nicht unberücksichtigt bleiben. Ich verfolge beide Strategien als Teil meines Portfolios, und Aktien machen einen viel größeren Teil davon aus. Aber keine von beiden ist so stabil wie meine Rendite-Einnahmen aus P2P-Krediten.

Die Skandale und das Virus

Die meisten Menschen wären sich einig, dass 2020 das seltsamste Jahr aller Zeiten ist, und der P2P-Markt ist davon nicht ausgenommen. Im ersten Quartal wurde bekannt, dass drei Plattformen (aller Wahrscheinlichkeit nach) Betrugsplattformen sind. Die Nachrichten waren voller Schlagzeilen: Fake-Kreditgeber, stillgelegte Plattformen ohne eine Spur und Millionen verlorener Euro.

Gründe fürs Investieren in P2P-Kredite

Das Jahr hat für P2P nicht gut begonnen.

Und dann kam COVID-19. Es gibt mehr Arbeitslose, kleine und große Unternehmen kämpfen ums Überleben, mehrere sind bereits in Konkurs gegangen. Sowohl Arbeitslosigkeit als auch Konkurse haben zu vermehrten Kreditausfällen geführt. Darüber hinaus haben viele Länder ein Zahlungsmoratorium eingeführt, mit dem Kreditnehmer ihre Zahlungen verschieben können.

Auch für Investoren sah das Jahr nicht allzu toll aus.

Die guten Nachrichten

Es gibt natürlich auch positive Aspekte bei all dem. Die Jahre 2018 und 2019 waren von großem Optimismus hinsichtlich der P2P-Kredite geprägt. Die Investoren erkannten große Gewinne und monatlich entstanden neue Plattformen.

Dies schien eine beliebte Anlagestrategie zu sein: Man wählt die Plattform aus, die die höchsten Renditen, das geringste Risiko und die höchste Liquidität verspricht – ohne die Gültigkeit dieser Ansprüche umfassend zu beachten.

Es kam, wie es kommen musste.

Wir haben gelernt, dass „die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, so ein dänisches Sprichwort. Und als Ergebnis haben wir jetzt viel mehr Daten über das Risiko von P2P-Krediten.

Ein Grund, warum ich meine Beteiligung bei P2P nur zögerlich erhöht habe, war die Tatsache, dass wir nicht wirklich wussten, welche Risiken uns am ehesten treffen würden. Daten zu Aktien und Anleihen kann man aus der Vergangenheit ableiten. Aber da P2P ein neues Konzept ist, ist es viel schwieriger, die wahrscheinlichsten Risikofaktoren zu bestimmen.

Ich denke, dass wir heute die Risiken, die sich am ehesten auf die Renditen auswirken, besser bestimmen können: Betrug und Finanzkrisen. Während andere Faktoren nicht unbedeutend sind und sich die Dinge in Zukunft ändern können, würde ich diese beiden auf meiner Liste der Dinge, die man beachten sollte, ganz oben belassen.

Der Unterhaltungswert des Jahres 2020

Ich muss zugeben, dass es in diesen unruhigen Monaten auch durchaus unterhaltsame Momente gab. Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich habe absolutes Mitgefühl mit denjenigen, die erhebliche Geldsummen durch betrügerische Plattformen verloren haben. Viele haben Zehntausende von Euro verloren, und einige werden sich vielleicht nie wieder von ihren Verlusten erholen. Solche illegalen Aktionen müssen Konsequenzen haben, und ich freue mich, dass Investoren Sammelklagen gegen die Fake-Plattformen einleiten.

Abgesehen davon waren die Kommentare und der Galgenhumor in den sozialen Medien absolut unterhaltsam. Insbesondere die Intrigen, die durch einen Blogger ins Rollen kamen, haben einen faszinierenden Einblick in die Soziologie von P2P-Investoren gegeben. Dieser schwarze Humor in den sozialen Medien geht wahrscheinlich zurück auf einen Zynismus, den es vor Anfang 2020 so noch nicht gab. Man könnte sagen, dass sich der Hyperoptimismus verflüchtigt hat und Raum für einen dringend benötigten kritischen Ansatz für Investitionen in P2P sowie für jedes andere Investitionsschema geschaffen hat.

Ich habe auch eine auffällige Verschiebung sowohl im Aktivitätslevel als auch im Verhalten in den sozialen Medien beobachtet. Einige Investoren meinten, sich nicht mehr länger mit P2P zu befassen, und die Stimmung war deutlich negativer als zuvor. Und es gab viel weniger neue Mitglieder in meiner eigenen Facebook-Gruppe „Crowdlending Danmark“ und viel weniger Posts.

P2P geht voran

Ich denke jedoch, dass die Zukunft besser aussieht. Offensichtlich liegt das Schlimmste hinter uns; die Aktivität der Investoren nimmt zu, es gibt seit einiger Zeit keine neuen Skandale mehr. Weiterhin gibt es wieder mehr gesamtwirtschaftliche Aktivitäten.

Solange es keinen weiteren Lockdown gibt, könnten wir meiner Meinung nach bald wieder zum weitestgehend normalen Leben zurückkehren. Und hoffentlich sind dieses Mal die Erwartungen realistischer und die Investoren vorsichtiger.

Da wir die Risiken besser verstehen und ein besseres Verständnis im Hinblick auf die Entwicklung von P2P-Krediten in Krisenzeiten haben, beabsichtige ich, viel mehr als bisher zu investieren.

Ich kann nicht sagen, dass wir alle zukünftigen Herausforderungen auf der Grundlage der letzten sechs Monate genau vorhersagen können. Aber ich glaube, dass wir jetzt mehr wertvolle Erfahrungen haben als zuvor.

Investieren Sie, was Sie sich leisten können zu verlieren

Der Wichtigste ist wie immer, nur so viel zu investieren, wie man verlieren kann. Oder anders gesagt: Investieren Sie kein geliehenes Geld oder Geld, das Sie zukünftig benötigen. Investieren Sie nur Geld, das Sie nicht benötigen, auch wenn Sie alles verlieren.

So ist es nicht völlig dramatisch, wenn etwas nicht so läuft wie vorgesehen. Ich habe einmal eine beträchtliche Summe in Penny Stocks investiert und über 50 % verloren. Es war nicht schön, aber ich konnte irgendwann Witze darüber machen.

Wenn Sie Ihr Geld in etwas investieren, schreiben Sie es innerlich ab. Das verschafft Ihnen Seelenfrieden, denn Sie können nichts verlieren, was Sie nicht haben.

Seien Sie vorsichtig

Wie immer gilt, wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch. 25 % Renditen mit Rückkaufgarantie und sofortiger Abhebung sind nicht realistisch.

Diversifizieren Sie also Ihr Portfolio. Wählen Sie einige zuverlässige Plattformen aus und legen Sie Ihr Geld in verschiedenen Ländern und in verschiedenen Kreditarten an. Und investieren Sie nicht alles in P2P-Kredite. Nutzen Sie ein breites Portfolio von Aktien, Anleihen und anderen Vermögenswerten. So sind Sie weniger von Ereignissen vor Ort betroffen.

Denken Sie daran, dass viele Blogger bestimmte Vorteile erhalten, wenn sie Plattformen empfehlen. Sie sollten sich also bei Ihren Investitionsentscheidungen nicht nur auf deren Erfahrung verlassen. Letztendlich sollte es Ihre Entscheidung sein, wo Sie investieren möchten.

Also: Informieren Sie sich, aber gehen Sie vorsichtig vor. Und wenden Sie sich im Zweifelsfall an einen Experten.