Wer ist in einer KI-Zukunft ganz ohne Arbeitsplätze wohlhabend?

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Im 21. Jahrhundert hat sich die Technologie mit rasender Geschwindigkeit entwickelt. Neue Innovationen haben in vielerlei Hinsicht eine bessere und effizientere Welt erschaffen. Einer der am häufigsten diskutierten Bereiche des technologischen Fortschritts ist die künstliche Intelligenz, bei der die menschliche Natur mit dem technologischen Genie verschmilzt. Künstliche Intelligenz spielt bereits heute eine Rolle im Alltag eines jeden Einzelnen und wird in fast allen erdenklichen Branchen erforscht.

Aber obwohl künstliche Intelligenz viele Dinge verbessern kann, gibt es bei Maschinen, die wie Menschen denken, einige ethische Fragen zu klären. Kann die Menschheit wirklich mit so etwas umgehen?

Was ist künstliche Intelligenz?

Künstliche Intelligenz (KI) ist der Bereich der Computerwissenschaften, der darauf abzielt, Technologien zu entwickeln, die wie Menschen funktionieren, reagieren und lernen. Die intelligenten Maschinen, die mit einer KI funktionieren, können aus ihren Fehlern lernen, eigenständig Lösungen für Probleme finden und lernen, vernünftig zu handeln. All das funktioniert auf eine Art und Weise, wie es bis zum heutigen Zeitpunkt in der Menschheitsgeschichte noch nicht möglich war.

Lebensechte Roboter dienen allgemein als Paradebeispiel für künstliche Intelligenz, doch diese Technologie ist bereits Teil verschiedener Produkte und Dienstleistungen, die im täglichen Leben genutzt werden. Einige Beispiele für KI sind:

  • Spracherkennungssoftware
  • Text-to-Speech-Funktionalität
  • Spamfilter für E-Mails
  • Unternehmensprognosen
  • Mobile Zahlungen

Es versteht sich von selbst, dass KI in der Welt bereits heute sehr verbreitet ist und ihre Bedeutung stetig zunimmt. Noch mächtigere Formen von KI finden sich bei der Entwicklung menschenähnlicher Roboter, die nahezu alles können. Die Fähigkeiten reichen vom Kistenheben bis zum Fangen spielen.

Hauptanwendungsbereiche

Obwohl KI viele Menschen beunruhigt, erweist sie sich für viele Branchen bereits als enorm praktisch. Das liegt daran, dass KI-Prinzipien auf verschiedene Weise angewendet werden können, um effizientere und effektivere Wege für Problemlösungen zu schaffen.

Gesundheitswesen

Die richtige Diagnose zu finden ist für einen Patienten eine der wichtigsten Aufgaben an die Gesundheitsdienstleister. Natürlich können die Dienstleister selbst ihre eigene Wissensbasis nutzen, um Diagnosen zu stellen, doch KI bietet einen zusätzlichen Vorteil, der für eine genaue Diagnose eines Patienten äußerst nützlich sein kann.

KI kann große Mengen an Patientendaten sammeln und Diagnosen und nachfolgende Behandlungsmöglichkeiten auf der Grundlage dieser Daten vorschlagen. Da mehr Patientendaten gesammelt und verarbeitet werden, kann KI eine Diagnose und die passende Behandlung dazu genau identifizieren. Roboter, die eine KI verwenden, haben sogar Bakterien und schädliche Mikroorganismen ausgerottet, um Krankenhäusern zu helfen, eine Desinfektionsrate von 99,99 % zu erreichen.

Produktion

Die Fertigungsindustrie hat immer daran gearbeitet, so effizient wie nur irgendwie möglich zu sein. Im 20. Jahrhundert wurden Maschinen eingeführt, um die Produktivität zu steigern. Heute wird KI genutzt, um dieses Vorhaben weiter voranzutreiben.   

Andrew Ng, der Schöpfer des Deep-Learning-Projekts Google Brain, erklärt, wie KI fast alle Bereiche des Produktionsprozesses verbessern soll. „KI wird unter anderem die Fertigung, Qualitätskontrolle und Wartungsarbeiten durchführen und außerdem die Verkürzung der Konstruktionszeit, die Reduktion von Materialverschwendung und die Verbesserung der Wiederverwertung bewirken“, sagte Ng.

In der Fertigungsindustrie kann KI mit dem Internet der Dinge (IoT) kombiniert werden, um Geräte und Maschinen in einem Netzwerk miteinander zu verbinden. Diese Maschinen können dann, bevor eine Maschine ausfällt, vorhersagen, wann eine Wartung erforderlich ist. So kann beispielsweise „der Einsatz von Vibrations- oder Schallsensoren sowie von Drehmomentmessgeräten dabei helfen, den Zustand der Maschine zu beurteilen, da sich stumpfe Spitzen unterschiedlich bewegen und klingen“, heißt es in einem Deloitte-Bericht über digitale Versorgungsnetze.

Transport

Der Transport ist vielleicht der am häufigsten diskutierte Bereich, von dem erwartet wird, dass ihn KI radikal verändern wird. Seit vielen Jahren werden selbstfahrende Fahrzeuge entwickelt, von denen einige bereits auf der Straße getestet werden. Autonome Lastwagen sind sogar schon auf den Straßen unterwegs und transportieren ohne das Zutun eines menschlichen Fahrers Waren.

Der Einfluss von KIs im Transportwesen reicht weiter als nur auf die Straße. Einige Unternehmen erforschen die Idee selbstfahrender Frachtschiffe, die bereits 2025 Realität sein könnten. KI wird dabei helfen, die sichersten und kürzesten Routen zu bestimmen und die Schiffe entsprechend zu lenken.

Finanzen

Beim Geldtransfer von einem Ort zum anderen denkt man vielleicht nicht direkt an künstliche Intelligenz, trotzdem werden solche Transaktionen weitgehend durch automatisierte, selbstlernende Algorithmen und Prozesse beeinflusst.

KIs helfen, Betrug durch den Einsatz von maschinellem Lernen vorherzusehen, bevor er geschieht. Maschinelles Lernen ermöglicht es der KI, große Datenmengen wesentlich schneller zu erfassen und zu analysieren als der Mensch. Durch diese Erfassung von Informationen lernt die KI die Ausgabengewohnheiten und -muster eines Verbrauchers kennen und kann Transaktionen identifizieren, die nicht zu den üblichen Mustern passen und möglicherweise betrügerischer Natur sind.

Man vermutet außerdem, dass KIs bei der Risikobewertung potenzieller Kreditnehmer besser sind als Menschen. Denn KIs, die Kreditnehmer bewerten, haben keine rassistischen, geschlechts- und altersbedingten Vorurteile, die die Entscheidung eines Menschen durchaus beeinflussen. Die Unterstützung der KI bei der Kreditentscheidung ist also nicht nur genauer und weniger voreingenommen, sondern auch kostengünstiger und schneller als je zuvor. Heute können Sie einen Kreditantrag stellen und in nur 60 Sekunden eine Antwort erhalten.

Ethische Aspekte beim Einsatz künstlicher Intelligenz

Dass KIs Prozesse auf eine Weise optimieren können, die dem Menschen unmöglich sind, ist schön und gut. Doch wird ihr Einsatz Fragen in der Gesellschaft aufwerfen, zu deren Beantwortung sie noch nicht bereit ist. Dies macht den Aspekt der Ethik entscheidend bei der Frage, wie man mit den Auswirkungen umgeht. Denn die Gesellschaft bewegt sich in allen Lebensbereichen mehr und mehr in Richtung KI.

Eine arbeitslose Gesellschaft

Wenn es der künstlichen Intelligenz irgendwann gelingt, die meisten Aufgaben effizienter zu erledigen als die Menschen selbst, was wird dann mit unseren Arbeitsplätzen geschehen? Diese Frage stellt sich für die Menschen der Zukunft, da Roboter und künstliche Intelligenz bereits jetzt Arbeitsplätze in Branchen wie der Fertigung und Produktion vernichten.

Eine wirtschaftliche Forschungsarbeit, die von Ökonomen an der Columbia und Johns Hopkins Universität verfasst wurde, beschreibt, dass, obwohl Automatisierung im Laufe der Geschichte bereits weit verbreitet war, „vergangene Zeiten der Automatisierung große Arbeitsbereiche hinterließen, die nur von Menschen ausgeführt werden konnten“. Das Problem mit der aktuellen KI besteht jedoch darin, dass „die künstliche Intelligenz immer näher an die menschliche Intelligenz rückt und ein Großteil der menschlichen Arbeit Gefahr läuft, überflüssig zu werden und in allen Bereichen durch KI ersetzt zu werden“. Arbeitsplätze, die früher als extrem sicher galten, wie die von LKW-Fahrern, sind nun durch eine vollständige KI-Übernahme gefährdet.

Die Aussichten auf immer weniger Arbeitsplätze durch Automatisierung und KI hat viele dazu veranlasst, unkonventionelle Ideen zur Umverteilung des Wohlstands in der Gesellschaft zu entwickeln. Eine der am häufigsten diskutierten Ideen zur Einkommensverteilung ist die des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Finnland hat diese Form des Einkommens getestet, indem es 2.000 Arbeitslosen im Land 560 Euro pro Monat zur Verfügung stellte. Die Ergebnisse dieser Studie waren gemischt, da es den Empfängern von BGE in keiner Weise einfacher machte, eine Anstellung zu finden. Jedoch berichteten sie über ein höheres Maß an Zufriedenheit. Erst vor Kurzem hat sich der demokratische Präsidentschaftskandidat der Vereinigten Staaten, Andrew Yang, als großer Unterstützer dieser Idee geäußert und behauptet, er würde es umsetzen, wenn er zum Präsidenten gewählt wird.

Beseitigung menschlicher Vorurteile

Als Menschen neigen wir dazu, Vorurteile zu haben. Rasse, Religion und Alter sind alles Dinge, die Menschen unbewusst bewerten, wenn sie sich ansehen. Die Idee ist, dass die Implementierung von KI solche Verzerrungen bei der Entscheidungsfindung beseitigt. Leider hat sich diese Hypothese bisher nicht unbedingt als wahr erwiesen.

Es stellte sich heraus, dass eine KI genauso voreingenommen sein kann wie der Mensch. Eine kürzlich vom Europarat in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „Diskriminierung, künstliche Intelligenz und algorithmische Entscheidungsfindung“ zeigt, wie KI menschliche Vorurteile aufrechterhalten kann. Denn KI selbst wird weitgehend von jenen Menschen beeinflusst, die die Technologie erschaffen und manipulieren. Dem Papier zufolge „fördert KI wichtige Ziele wie Effizienz, Gesundheit und Wirtschaftswachstum, kann aber auch diskriminierende Auswirkungen haben, zum Beispiel wenn KI-Systeme aus verzerrten menschlichen Entscheidungen lernen“.

Aber KI könnte auch einen Schritt weiter gehen und neue Formen der Diskriminierung schaffen, die sich Menschen nicht vorstellen können. Wie die Arbeit feststellt, „öffnet KI auch den Weg für neue Arten der unfairen Differenzierung (man könnte auch sagen, der Diskriminierung), die sich den geltenden Gesetzen entziehen. Die meisten Nichtdiskriminierungsgesetze gelten nur für Diskriminierungen aufgrund geschützter Merkmale, wie z. B. der Hautfarbe. Solche Gesetze gelten nicht, wenn ein KI-System neue Klassen erfindet, die nicht an geschützte Merkmale geknüpft sind, um zwischen Menschen zu unterscheiden.“

Sicherheitsrisiken

Stellen Sie sich vor, ein selbstfahrender Lastwagen prallt auf der Autobahn auf einen ahnungslosen Autofahrer. Wer ist schuld? Sind es die Ingenieure, die die KI des Lkw entwickelt haben? Der Hersteller, weil er den Lkw falsch designt hat? Oder jemand anderes? Es ist unvermeidlich, dass an der KI in Zukunft Fehler passieren, und es ist nicht so einfach, mit solchen Problemen umzugehen.

Es gab bereits Fälle, in denen so etwas passiert ist. Letztes Jahr überfuhr ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Fußgängerin und tötete sie sofort. Einige beschuldigen die Technologie, weil sie den Fußgänger nicht berücksichtigt hat, während andere den Mann auf dem Fahrersitz beschuldigen, der zum Zeitpunkt des Unfalls Videos auf seinem iPad sah. Da es für diese Art von Katastrophen keinen Präzedenzfall gibt, ist es schwierig, die Schuldfrage zu beantworten.

Künstliche Intelligenz stellt ebenfalls eine Sicherheitsbedrohung dar, wenn sie mit böswilliger Absicht eingesetzt wird. Die Technologie könnte genutzt werden, um neuartige Cyber-Angriffe durchzuführen, mit denen Drohnen und andere intelligente Geräte angegriffen werden, was verheerende Auswirkungen auf ganze Netzwerke haben kann. KI wurde bereits verwendet, um Fake-News und Propaganda bei politischen Wahlen zu verbreiten und gefälschte Audio- und Videoclips zu erstellen.

Ethik immer ganz groß schreiben

Die Welt bewegt sich in Richtung der flächendeckenden Nutzung von KI in allen Lebensbereichen. KI wird nicht nur beeinflussen, wie Sie von einem Ort zum anderen gelangen, sondern auch Ihr finanzielles Leben, Ihr Arbeitsumfeld und vieles mehr. In diesem Zusammenhang wird es für die globale Gesellschaft immer wichtiger, einen Ethikstandard für die künstliche Intelligenz aufzustellen, in der Hoffnung, Standards für diese neue Technologie zu schaffen.

Was zu tun ist, wenn KI massive Arbeitslosigkeit schafft, oder wie man mit einer KI-Katastrophe umgeht, sollte geklärt sein, bevor weitere Schritte bei der Entwicklung unternommen werden. Wenn nicht, könnte die Welt bald so ähnlich aussehen wie im Sci-Fi-Thriller „1984“.