Wie gelockerte Reisebeschränkungen und höhere Impfraten die EU-Wirtschaft ankurbeln können & weitere News

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Wie erwartet hat die Coronavirus-Pandemie weltweit zu wirtschaftlichen Einbußen geführt. Aber während China, die USA und andere Länder schon wieder langsam auf die Beine kommen, hinkt die Eurozone noch hinterher. In Europa schrumpfte die Wirtschaft im ersten Quartal 2021 um 0,6 %. Und das ist schon das zweite Quartal mit einem sinkenden Wirtschaftswachstum. Die US-Wirtschaft wuchs im gleichen Zeitraum um 1,6 %.

Kann die wirtschaftliche Erholung in China und den USA letztendlich auch auf Europa übergreifen?
Kann die wirtschaftliche Erholung in China und den USA letztendlich auch auf Europa übergreifen?

Was ist der Grund? Viele glauben, dass es daran liegt, dass das Impfen gegen das Coronavirus in Europa viel langsamer vorangeht als erwartet.

Andererseits wuchs die Wirtschaft in Frankreich um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal. Es war vor allem Deutschland, das die Gesamtzahlen nach unten zog: Sein BIP ging um 1,7 % zurück. Die Ökonomin Maddalena Martini von Oxford Economics merkt an, dass vieles davon abhängt, wann und wie die globale Pandemie überwunden wird.

„Die heutigen BIP-Daten für das erste Quartal deuten darauf hin, dass die Wirtschaft des Euroraums recht widerstandsfähig ist, was ermutigende Signale für die kurzfristige Perspektive bedeutet“, sagte Martini. Auch eine griechische Ladeninhaberin bleibt hoffnungsvoll: „Wir hoffen jetzt, dass die Dinge besser werden, wegen der Impfstoffe, wegen der Maßnahmen“, sagt sie. „Wenn der Tourismus wieder anläuft und die Touristen uns nicht Corona, sondern Geld dalassen, wird sich die Lage verbessern.“

Erste Lockerungen der Reisebeschränkungen in Sicht

Wie die Reisesaison in diesem Sommer verlaufen wird, wird für viele der größten Städte Europas von entscheidender Bedeutung sein
Wie die Reisesaison in diesem Sommer verlaufen wird, wird für viele der größten Städte Europas von entscheidender Bedeutung sein

Während wir uns auf die Sommermonate zubewegen, warten viele Unternehmen in Europa auf Anzeichen für Lockerungen der Reisebeschränkungen, denn diese hätten massive Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn für das restliche Jahr. In einer ersten von hoffentlich vielen guten Nachrichten verkündete die EU kürzlich, dass Einwohner Großbritanniens, die vollständig geimpft sind, ab Juni in ganz Europa Urlaub machen dürfen. Diese Pläne werden sicher auch für andere Länder greifen, in denen die Infektionszahlen niedrig sind. Auch wenn die einzelnen Länder vermutlich eigene Regeln für Tests und Quarantäne erlassen werden. 

Der Tourismus ist ein so bedeutender Teil der europäischen Wirtschaft, dass eine Lockerung der Beschränkungen das Wachstum sicher erheblich ankurbeln wird. Angesichts dieser Ankündigung sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen:

„[Es ist] Zeit, den europäischen Tourismus wiederzubeleben und grenzüberschreitende Freundschaften neu aufleben zu lassen – auf sichere Art und Weise. Wir schlagen vor, geimpfte Besucher & solche aus Ländern mit einer guten Gesundheitssituation wieder bei uns willkommen zu heißen. Aber für den Fall, dass Varianten auftreten, müssen wir schnell handeln: Wir schlagen eine EU-Notbremse vor.“

Amazon hat 2020 keine Körperschaftssteuer in Europa gezahlt

Im Europageschäft hat das Unternehmen erneut Steuern vermieden
Im Europageschäft hat das Unternehmen erneut Steuern vermieden

Trotz eines Umsatzes von 44 Mrd. € in der Region im vergangenen Jahr hat Amazon keine Körperschaftssteuer gezahlt. Amazon EU – mit Sitz in Luxemburg und Unternehmensaktivitäten in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und Schweden – meldete einen Verlust von 1,2 Mrd. €. Daher musste das Unternehmen keine Steuern zahlen, denn diese werden nur fällig, wenn ein Unternehmen in einem Jahr einen Gewinn erzielt. Dieser Verlust führte darüber hinaus zu einer Steuergutschrift in Höhe von 56 Mio. €, die das Unternehmen in zukünftigen Jahren zur Verrechnung von Steuerzahlungen nutzen kann.

Viele sind wütend auf Großkonzerne wie Amazon, die sich um das Zahlen von Steuern drücken. Die Abgeordnete der britischen Labour-Partei Margaret Hodge engagiert sich für ein Ende dieser Praktiken und hofft, dass sie Änderungen im Steuerrecht erreichen kann, um diese Schlupflöcher zu schließen.

„Es scheint, dass Amazon seine unerbittliche Kampagne zur Steuervermeidung in erschreckendem Ausmaß fortsetzt… Die Umsätze von Amazon sind während der Pandemie in die Höhe geschnellt, während gleichzeitig unser Einzelhandel ums Überleben kämpfen muss, dennoch verschiebt das Unternehmen seine Gewinne weiterhin in Steueroasen wie Luxemburg, um seinen angemessenen Anteil an Steuern nicht zahlen zu müssen. Diese großen Digital-Unternehmen sind alle auf unsere öffentlichen Dienstleistungen, unsere Infrastruktur und unsere gebildeten und gesunden Arbeitskräfte angewiesen. Aber im Gegensatz zu kleineren Unternehmen und hart arbeitenden Steuerzahlern, zahlen die Tech-Giganten nicht angemessen in den gemeinsamen Topf für das Gemeinwohl ein.“

Mögliche Auswirkungen der Regulierung bei Gig-Workern

Der Sieg der Gig-Worker könnte zu höheren Verbraucherpreisen führen
Der Sieg der Gig-Worker könnte zu höheren Verbraucherpreisen führen

Durch verstärkten Druck seitens der Regulierungsbehörden werden viele Unternehmen wie Uber ihre Gig-Worker nun als Festangestellte einstufen müssen. Bisher galten sie als selbstständige Unternehmer mit flexiblen, befristeten oder freiberuflichen Jobs. Allein Uber musste 70.000 seiner Mitarbeiter neu einstufen, nachdem das Unternehmen einen Prozess vor dem Obersten Gerichtshof Großbritanniens verloren hatte.

Auch wenn dies ein Sieg für die Mitarbeiter ist, die sich nun über Sozialleistungen und bezahlten Urlaub freuen können, befürchten viele, dass die Auswirkungen weitreichend sein könnten. Zum einen werden die betroffenen Unternehmen wahrscheinlich nicht alle einstellen können, die zuvor als unabhängiger Auftragnehmer für sie gearbeitet haben. Zum anderen sind die Kosten für Angestellte höher als für Gig-Worker, und Unternehmen werden dementsprechende Anpassungen vornehmen müssen.

Das könnte letztendlich auch zu steigenden Preisen für diese Dienstleistungen führen. Manche Verbraucher könnte das hart treffen, aber John Ryan von Gigable glaubt, dass die meisten Verbraucher bereit sein werden, etwas mehr zu bezahlen, wenn sie wissen, dass die Mitarbeiter dafür fair behandelt werden.

„Ich denke, dass die Leute mit Preiserhöhungen einverstanden sein werden, wenn sie wissen, dass es den Fahrern zugutekommt, oder wenn es eine öffentliche Unterstützung für diesen Schritt gibt, aber das bleibt abzuwarten.“