Aus für Banken – Übernahme durch Fintech-Unternehmen?

Finanztipps

Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Jeder ist digital unterwegs, auch Banken. Man muss nicht mehr Geld für Zahlungen abheben oder zur Bank gehen, um Einzahlungen vorzunehmen. Sie können einfach per Karte oder Scannen eines Barcodes zahlen bzw. mit Ihrer mobilen App Geld überweisen. Aber reicht das aus? Banken machen nun nur noch einen Teil der Finanzwelt aus. Fintech-Unternehmen konnten ihre Angebote anpassen und füllen nun die Lücken, die für Bankkunden entstanden sind: nicht zufriedenstellende Online-Benutzererfahrungen, fehlende Digitalisierung und schlechte Zinssätze. Obwohl Banken zunehmend digitale Angebote bereitstellen, ist dies nicht mit Fintech-Unternehmen vergleichbar, für die Technologie und Transformation im Mittelpunkt stehen.

Agieren Banken ausreichend, um ihre Fintech-Konkurrenz in Schach zu halten?
Agieren Banken ausreichend, um ihre Fintech-Konkurrenz in Schach zu halten?

Der Anstieg des Fintech-Bankings

Der Markt für digitales Banking ist in den letzten Jahren zunehmend beliebter geworden, und sein Wachstum ist in jüngster Zeit sprunghaft angestiegen. Jüngere Menschen nutzen digitale Lösungen schon seit jeher, weil sie einfach und bequem sind. Mit dem Eintritt ins Berufsleben ist daher das digitale Banking am besten für sie geeignet.

Angebote zu digitalem Banking von konkurrierenden Fintech-Unternehmen nehmen besonders gern Personen an, die nicht den Standardparametern herkömmlicher Banken entsprechen:

„Überall auf der Welt werden jährlich virtuelle Banken ohne physischen Standort gegründet, die den etablierten Banken Marktanteile wegnehmen. Sie bieten das Neueste in Sachen Innovation und Zugang an und erfüllen die Bedürfnisse unterversorgter Personen wie Menschen ohne oder eingeschränktem Bankzugang , Einwanderern, Freiberuflern und Selbständigen sowie Kleinunternehmen”, so der Herausgeber von Fintechtris.

Dieser inklusive, kundenorientierte und technologieunterstützte Ansatz, um Kunden zu bedienen, die auf der Suche nach Banking-Alternativen sind, hat Fintech-Unternehmen in die entsprechende Position versetzt, es mit herkömmlichen Banken aufzunehmen.

Junge Menschen und alle, die die Anforderungen der Banken nicht erfüllen, erhalten das Meiste beim digitalen Banking.
Junge Menschen und alle, die die Anforderungen der Banken nicht erfüllen, erhalten das Meiste beim digitalen Banking.

Fintech-Unternehmen bieten bessere Benutzererlebnisse

In einer vor Kurzem durchgeführten Studie von Bank Director in den USA konnte gezeigt werden, dass 59 % der Verbraucher der Vorstellung, Bankgeschäfte bei einem großen Technologieunternehmen zu tätigen, aufgeschlossen gegenüberstehen. Wenn man bedenkt, dass die meisten bei Themen wie Investitionen und Geldsparen sehr vorsichtig sind, ist es sehr erstaunlich, dass mehr als die Hälfte der Befragten brandneue Tech-Banking-Optionen befürworten.

Eine der möglichen Gründe für diese Akzeptanz könnte die einfache Integration sein, die Tech-Unternehmen bieten. Denken Sie nur an die Apple Card, die in Zusammenarbeit von Apple und der Goldman Sachs Bank entwickelt wurde. Apple nutzte das schlanke Design der Produkte, für das es bekannt ist, und wandte die Finanzfunktionen auf das iPhone an. Das Unternehmen setzte eine bereits vorhandene und bewährte Technologie ein und fügte die Reputation von Goldman Sachs als Finanzinstitut hinzu; mit nahezu keinem Aufwand für den Verbraucher:

„Benutzer melden sich bei ihrer Wallet-App auf dem iPhone an, klicken auf die Option zum Anwenden, geben ihre Daten ein (ein Großteil wird automatisch ausgefüllt) und klicken dann auf Akzeptieren. Es ist so bequem und einfach, dass es für Benutzer schwierig werden dürfte, zuvor verwendete Zahlungsmethoden zu verwenden“, so die Studie.

Wenn man dieses unproblematische Vorgehen mit dem Mangel an technologischer Innovation und den niedrigeren Sparraten, die von Banken angeboten werden, vergleicht, ist es sehr wahrscheinlich, dass viele ihr Geld bei Technologieriesen anstatt bei Banken investieren und sparen.

Apple hat den Finanzmarkt betreten und zeigt keine Anzeichen für einen Rückzug
Apple hat den Finanzmarkt betreten und zeigt keine Anzeichen für einen Rückzug.

Apple ist nicht das einzige technologiebasierte Unternehmen, das erfolgreich ist. Die britische Neo-Bank Revolut hat ebenfalls einen starken Anstieg des Umsatzes verzeichnet, der sich von 63 Millionen Euro 2018 auf 177 Millionen Euro 2019 verdreifacht hat. Ende 2019 konnte das Unternehmen über 8 Millionen Nutzer verzeichnen, und es kommen immer mehr dazu. Diese Zahlen lassen erkennen, dass die Banken auf der Verliererseite stehen und die Verbraucher durchaus optimistisch sind in Bezug auf Fintech-Unternehmen, die nicht im Bankbereich angesiedelt sind.

Auch für Challenger-Banken bestehen gewisse Probleme

Obwohl niemand die Berechtigung von Neo-Banken und ihre Fähigkeit, die Banking-Welt zu verändern, in Frage gestellt hat, ist dieses Jahr für viele Fintech-Unternehmen ein hartes Jahr, insbesondere für diejenigen, die noch keinen Gewinn gemacht haben. Revolut und Monzo, aufstrebende Unternehmen in Großbritannien, wurden von der Finanzkrise schwer getroffen. Das „neue Normal“, das zu weniger Ausgaben und kleineren Einlagen führte, bedeutete für sie weniger Umsatz. Dies zusammen mit der Tatsache, dass sie rote Zahlen schreiben, macht ihre Lage nicht besser.

Laut Forbes sind die Menschen noch nicht bereit, ihren herkömmlichen Banken den Rücken zuzudrehen, sodass die Beziehung der Verbraucher zu den Neo-Banken nicht stärker wird: „Mit der langsamen Rückkehr zur Normalität hat die Coronavirus-Pandemie unsere Beziehung zu den Unternehmen und Technologien, auf die wir uns am meisten verlassen, vertieft. Die Beziehung der Verbraucher gegenüber Neo-Banken hat sich nicht vertieft. Dies hat der Lockdown gezeigt.

Die Zurückhaltung der Verbraucher gegenüber Neo-Banken wird zusammen mit der derzeitigen Finanzkrise das Leben für Neo-Banken noch schwieriger als zuvor machen.

Banken wissen sich zu wehren

Die Banken machen es den Fintech-Unternehmen durchaus nicht einfach. Sie sind sich der Konkurrenz bewusst und geben nicht kampflos auf. Sinkende Gebühren, das Angebot von mehr technologiebasierten Diensten und die Verbesserung bestehender digitaler Erfahrungen sind nur einige der Strategien, mit denen Banken ihre Kunden zufriedenstellen. Einige Bankinstitutionen haben sogar Beteiligungen erworben oder in Fintech-Unternehmen investiert, um auch von der Technologie der nächsten Generation zu profitieren.

Und, einfach ausgedrückt, sie haben viel mehr Finanzspielraum und weitaus mehr Erfahrungen in der Finanzwelt, wodurch sie einen deutlichen Vorteil erhalten. “Es gibt eine Geschichte und ein Vertrauen, das zwischen Banken und ihren Kunden besteht, mit der es die Fintech-Branche noch lange nicht aufnehmen kann“, so American Banker.

Banken haben chaotischen Zeiten, Finanzkrisen und Kritikern widerstanden, solange es sie gibt.
Banken haben chaotischen Zeiten, Finanzkrisen und Kritikern widerstanden, solange es sie gibt.

Es hat sich überraschenderweise herausgestellt, dass die öffentliche Wahrnehmung von Banken positiver ist, als man denken könnte. Bei der Frage, wie Banken im Digitalisierungsprozess abschneiden, waren nur 11 % der Befragten in derselben Studie von Bank Director der Meinung, dass die Banken im Rückstand sind. Dieses Vertrauen in die Fähigkeit der Banken zur Digitalisierung deutet darauf hin, dass die Verbraucher ihre Bankkonten demnächst nicht schließen werden, auch wenn sie offen für Investitionen bei Fintech-Unternehmen sind.

Wer bekommt mehr für sein Geld?

Im Moment ist es noch zu früh, um zu sagen, wer in diesem Geldspiel führend sein wird. Werden Banken und Fintech-Unternehmen zusammen bestehen, um das Beste aus den beiden Welten anbieten zu können? Oder sind die Banken ausreichend technologieorientiert, um dem harten Wettbewerb durch Fintech-Unternehmen standzuhalten? Vielleicht zeigt sich auch, dass Fintech-Unternehmen die nächste Generation der Banking-Lösungen sind und herkömmliche Banken in den Schatten stellen. Man kann nicht sagen, was die Zukunft bringt, aber wir sind gespannt, es zu erfahren.